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Arbeitssuche in alter Heimat

Von Heidi Thiemann 18.05.2008, 17:40

Dessau/MZ. - Die Arbeitsagentur Dessau-Roßlau hat für die Suche nach Fachkräften für die Region Dessau und Anhalt-Bitterfeld eine Hotline geschaltet, um Pendler zu beraten. Denn wann, wenn nicht am Wochenende, können die erreicht werden, die zwischen ihrem Zuhause und ihrem Arbeitsort oft mehrere hundert Kilometer zurücklegen?

"Ich habe die Nase voll" bekennt denn auch gleich einer der ersten Anrufer über seine wöchentlichen Strapazen. Der Elektromonteurmeister aus einem Dorf bei Köthen pendelt seit 1991. Momentan arbeitet er in Stuttgart. Viel lieber wäre es ihm, könnte er eine Arbeit in der Region finden. Ähnlich geht es einem 28-jährigem Tiefbautechniker, der sich jedes Wochenende von Köthen nach Österreich aufmacht, oder einem 57-jährigen Diplomingenieur für Heizung / Lüftung / Sanitär aus Dessau, der in Bayern in Lohn und Brot ist. "Habe ich hier überhaupt eine Chance", fragt er die Mitarbeiterin der Arbeitsagentur. "Ich würde mich freuen, wenn es klappt. Zumindest wollte ich es versucht haben."

"Heute noch Pendler - morgen Arbeit in der Region": mit diesem Slogan wirbt die Arbeitsagentur. "Wir haben viele freie Stellen, die wir seit langem nicht besetzen können, weil die Fachleute dafür in unserer Region fehlen", begründet Anja Huth, Pressesprecherin der Agentur, die Aktion. "Viele Firmen suchen wie verrückt", sagt sie und hält die Angebote von dutzenden Firmen in der Hand: es fehlen Ingenieure (außer Bau), Techniker, Mechatroniker, Facharbeiter der Metallver- und -bearbeitung, Buchhalter, Altenpfleger, Berufskraftfahrer, Chemiefacharbeiter...

Die zu finden, werden nun gezielt Pendler angesprochen. Immerhin pendeln 10 000 Frauen und Männer aus dem Agenturbezirk Dessau-Roßlau aus. Allein 1 165 arbeiten in Nordrhein-Westfallen, 1 100 in Bayern und 2 450 in Mecklenburg-Vorpommern. "Sie setzen viel Zeit zu, haben hohe Benzinkosten und auch ein gewisses Lebensrisiko auf der Autobahn, wenn sie hunderte Kilometer unterwegs sind. Die höheren Verdienstmöglichkeiten wiegen das für viele nicht auf", weiß die Pressesprecherin. Und wurde am Ende des Beratungstages bestätigt: 97 Pendler - 90 Prozent Männer - hatten sich an die Hotline gewandt. Der Jüngste war 19 Jahre alt, der Älteste 60. Und in ihren Gehaltsvorstellungen, so Huth, "sind viele kompromissbereit. Für viele war die Rückkehr in die Heimat das Wichtigste."

Die nach 2007 zum zweiten Mal angebotene Hotline ist eine Plattform. Denn jetzt werden Jana Schwerdtfeger, Silvana Fischer, Petra Schoen, Yvonne Krüger und Regina Rochau vom Arbeitgeberservice, die gemeinsam mit Anja Huth die Telefonanrufe entgegennahmen, auf die Bewerbungsmappen der Pendler warten. Werden deren Daten in aller Ruhe analysieren und anschließend den Unternehmen die Bewerber vorstellen. "Die Pendler erhalten dann von uns die Information, in welchem Unternehmen ihre Unterlagen liegen", erklärt die Pressesprecherin die Vorgehensweise. Ob die Anrufer dann eine Stelle in der Region angeboten bekommen, diese Entscheidung liege freilich bei den Unternehmen. Doch die Mitarbeiterinnen der Arbeitsagentur glauben in vielen Fällen: "Die Chancen stehen gut".

Gute Chancen wurden auch einem Stuttgarter eingeräumt, der sich an die "Hotline für Zuziehende" gewandt hatte. Er zieht aus familiären Gründen nach Dessau und sucht nun Arbeit. Den Tipp von der Hotline gab ihm seine Schwiegermutter. "Wir hatten auch Beschäftigte am Telefon, die bereits in die alten Bundesländer gezogen sind, nun aber wieder unbedingt in ihre alte Heimat zurück wollen", erzählt Huth über die Resonanz.