Anhaltischen Theater Anhaltischen Theater: Ein Konzert mit Revuefinale
Dessau/MZ. - Am dritten Adventswochenende jährte es sich im Anhaltischen Theater zum 37. Mal. Rezitativ und Arie aus der Telemann-Kantate, in der die Vokalgruppe überzeugte, sangen Corinna Kruskop (kraftvoller Sopran) und Marc Rupietta (gediegener Bariton im schwer zu nehmenden Tempo). Es folgte - "Zwischen Weihnachtsduft und Heimlichkeit" - der Auftritt der Jüngsten. Die kleinen Streicher markierten nicht nur den Höhepunkt der Rührseligkeit, sondern demonstrierten ein gutes Zusammenspiel. Erst mancher Knicks zeigte solistische Ambitionen.
Das Konzert verlangte - weil rund zweihundert Schüler mitwirkten - zeitgemäße, logistische Virtuosität. Manchmal folgte Satz auf Satz im irritierend fliegenden Wechsel: Etwa das Allegro aus Mozarts Divertimento Nr. 4 B-dur, bearbeitet für Klarinette (Florian Marcy) und Klavier (Georg Metzner). Dieser spielte später mit Simon Hundeshagen zu vier Händen auf dem Klavier. Einsam saß Julia Mauritz (Akkordeon) auf der Bühne, um die "Karawane" von Torbjörn Iwan Lundquist ebenso einsam wie hoch musikalisch vorbeiziehen zu lassen.
Stimmungsvoll bewegt erklang "Starting out for a walk"(Christoph Rech, Oboe; Annemarie Klein, Klavier). Vier der "putzigen Dinger", mit denen sich Robert Schumann in seine Kindheit versetzte, folgten in einer Bearbeitung von László Kalmár, die auch die Poesie bearbeitet. Das "Einschlummern" eines Kindes soll sich ja manchmal verzögern. Mit dem "Ritter vom Steckenpferd" machte das Nachwuchsorchester unter Leitung von Dagmar Fichter einen beeindruckenden Satz.
Schön war der tänzerische Ausflug des Bläser-Quintetts ins russische Reich, bevor die Big-Band beinah abgeklärt die Himmelsrichtung wechselte. Gewürzt wurde der routiniert präzise Vortrag mit bestechenden Soli (Gitarre und Saxophon). Das Trio C-dur von Joseph Haydn (Anne Meißner Klavier, Christoph Schreiber, Violine; Annemarie Schulze, Violoncello) hätte man so gern vollständig gehört.
Doch das Programm läuft. Die Satisfaktion des Kontrabasses übernahm Holger Schultz und machte in der Romanze von Johannes Sperger das dickleibige Instrument zum geschmeidigen Solisten. Zwei Sätze aus Werken, die Mozart beide 1774 in Salzburg komponiert hatte, folgten. Johannes Weinreich spürte der Freude des jungen Mozart am Pianistischen im Finale der Klaviersonate G-dur eindrucksvoll nach.
Und dann: Allegro moderato, der erste Satz aus der Sinfonie A-dur (KV 201). Leidenschaftlich führte Friedemann Neef das Orchester der Musikschule von der Piano-Eröffnung zur kraftvoll imitatorischen Entfaltung des Themas. Das hatte Odem. Neef stampfte und schniefte das Orchester zu exakten Einsätzen. Der Kehraus des Konzertes für Big-Band, Orchester und Vokalgruppe erinnerte an ein Revuefinale. Detlef Metzner dirigierte mit unbestechlicher Kontenance "This guy's in love". Es kam, was kommen musste: Christmascarol statt Weihnachtschoral - Vorfreude auf (gut) amerikanisch.