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20 Jahre Tanzforum Dessau 20 Jahre Tanzforum Dessau: Disziplin als Geschäftsmodell

Von danny gitter 03.11.2013, 20:42
Andreas Meyer, Hartmut Runge, Helga Runge und Gabriele Meyer (v.l.) in ihrer Probenhalle.
Andreas Meyer, Hartmut Runge, Helga Runge und Gabriele Meyer (v.l.) in ihrer Probenhalle. sebastian Lizenz

dessau-rosslau/MZ - 20 Jahre. „In unserer Branche ist das schon eine Leistung“, sagt Hartmut Runge, Geschäftsführer des Tanzforums Dessau. Denn er und seine Frau Helga sowie ihre Geschäftspartner Gabriele und Andreas Meyer haben in den beiden vergangenen Jahrzehnten durchaus einige Mitbewerber kommen und gehen sehen. An diesem Wochenende haben sie im Golfpark mit treuen Kunden bei einer Gala zurückgeblickt auf die vergangenen beiden Jahrzehnte.

Ihr Alleinstellungsmerkmal haben die vier schnell gefunden. Eine Ballettschule und ein Fitness-Studio fungieren bis heute unter dem Namen Tanzforum in den Räumen in der Askanischen Straße. Diese Symbiose ergab sich rein zufällig. Runge, damals Schauspiel- und Ballettdramaturg am Anhaltischen Theater, kam mit Andreas Meyer ins Gespräch, als dieser seine Frau, eine Balletttänzerin vom Training im Haus abholte. „Irgendwie war es an der Zeit, sich beruflich zu verändern“, blickt Meyer zurück. Als diplomierter Sportwissenschaftler hat er zu DDR-Zeiten Nachwuchsschwimmer betreut, bis er dann 1989 an die 30. POS, heute Ganztagsschule Zoberberg, als Sportlehrer wechselte.

Doch die neuen Zeiten schienen einiges möglich zu machen, woran vorher nicht zu denken war. An berufliche Selbständigkeit zum Beispiel. „Viele Kollegen konnten es nicht verstehen, dass ich meine sichere Anstellung gegen die Unsicherheit eines eigenen Unternehmens eintausche“, erinnert sich Meyer. Doch die Pläne reiften und wurden immer konkreter, wobei auch der äußere Druck auf Helga Runge und Gabriele Meyer zur beruflichen Veränderung größer wurde. Denn aktives Ballett, Runge am Landestheater in Magdeburg und Meyer am Anhaltischen Theater, ist mit zunehmendem Alter nur noch begrenzt möglich. „Der schleichende Abstieg endet für die meisten Tänzerinnen sehr unschön“, kommentiert Hartmut Runge seine Beobachtungen aus der Zeit als Ballettdramaturg am Theater. Also lag das Konzept einer privaten Ballettschule und eines Fitnessstudios sehr nahe.

„Das Potenzial war und ist vorhanden“

„Das Potenzial für eine private Ballettschule war und ist durchaus in Dessau vorhanden“, sagt Hartmut Runge, der erst neben seiner Tätigkeit am Theater die Geschicke des Tanzforums leitete und dann 2003 vollberuflich die Geschäftsführung übernahm. „Im Fitnessbereich haben wir von Anfang an auf feste Trainingszeiten gesetzt“, erzählt Andreas Meyer. Anders, als dort, wo der Kunde kommt und geht, wann er will, gibt es hier einen festen Stundenplan. „Das ist wegen der gleichmäßigen Muskelreize sehr viel effektiver und fördert die Disziplin“, sagt Meyer.

Disziplin ist auch die Kernkompetenz des klassischen Balletts. Runges und Meyers fahren gut damit. Denn die Mitgliederzahlen im Fitness- und Tanzbereich haben sich seit der Gründung verfünffacht. Dass auch das klassische Ballett kontinuierlich neue Mitglieder gewinnt, verwundert Runge nicht. „Es ist sicherlich mit Strenge verbunden, aber auch sehr persönlichkeitsbildend. Kinder lernen dadurch eine Haltung zu haben und gerade zu stehen“, sagt er. Nur Wenige scheiden nach kurzer Zeit wieder aus.

Die Belohnung des harten Trainings ist es dann, das Können in der Öffentlichkeit zu präsentieren. So wie beim alljährlichen Tanzfest, kurz vor den Sommerferien, auf Gemeinde- und Stadtfesten in der Region oder im viel größeren Rahmen, wie bei Vorstellungen der Gregor Seyffert Compagnie. Bei Tanzproduktionen wie der „Der keine Prinz“ und in „80 Tagen um die Welt“ oder auch bei „Marquis de Sade“ im Kraftwerk Vockerode und den bundesweiten Gastspielen der Compagnie tanzten Ballettschülerinnen des Tanzforums mit. Auch die Jahrestagung der Beratungsgesellschaft „McKinsey“ 2006 im Gartenreich hat Runge noch als einen der Höhepunkte aus 20 Jahren in Erinnerung.

Was bleibt da als Wunsch für die nächsten 20 Jahre? „Dass wir endlich adäquate Nachfolger finden“, sagt der 60-Jährige ganz nüchtern.