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Stadtgarten Jeßnitz Stadtgarten Jeßnitz: Bäume in Stein gemeißelt

Von Sylvia Czajka 13.04.2013, 16:54
Eine Tafel führt jetzt die Besucher durch den Stadtgarten von Jeßnitz. Wo steht wohl welcher Baum?
Eine Tafel führt jetzt die Besucher durch den Stadtgarten von Jeßnitz. Wo steht wohl welcher Baum? Ruttke Lizenz

Jessnitz/MZ - Die Blätter lassen noch auf sich warten, trotzdem ist der Jeßnitzer Stadtgarten bereits wieder ein Anziehungspunkt. Menschen drängen hinein - groß und klein. Denn es gibt etwas zu bestaunen. Dafür müssen die Besucher jedoch den Blick senken, um zu verstehen, was sich da hoch über ihren Köpfen in Richtung Himmel streckt: Bäume über Bäume. Jedes Exemplar ist wohl um die 100 Jahre alt, schätzt Thomas Eisel, Garten- und Landschaftsplaner aus Friedersdorf. 14 Baumarten schmücken das Areal am Stadtrand. Die hat Eisel nun nummeriert und Uwe Scholz hat sie in Stein gehauen. Seine Infotafel wurde jetzt enthüllt. Damit sich jeder, der den Stadtgarten betritt, informieren kann.

Blutbuche, Esche, Ess-Kastanie und sogar die Sumpfzypresse (siehe „Einblicke“) sind hier verwurzelt. „Letztere ist übrigens mitverantwortlich für den Bitterfelder Bernstein“, berichtet Thomas Eisel all jenen, die es wissen wollen. Und das sind nicht wenige.

Denn die Tafel, die Steinmetz Uwe Scholz aus Granit fertigte, findet viele interessierte Bewunderer. Die Idee stammt vom hiesigen Heimatverein, in der Steinmetz Scholz ebenso Mitglied ist wie Ursula Folta, die nicht ohne Stolz zu dem hochgewachsenen Handwerker blickt. „Die Bestimmungstafel ist gelungen“, sagt sie. Dank auch der Hilfe des Garten- und Landschaftsplaners. Die Tafel sei informativ - nicht nur für die Kinder.

Der achtjährige Jakob Michael Schneidereit und der ein Jahr ältere Max-Otto Schade wollen ihren Eltern die Neuheit im Stadtgarten präsentieren. Mal sehen, ob die wohl wissen, welche Bäume hier wachsen, meinen die Jungs. „Wir werden den Älteren zeigen, dass wir Jungen auch was in petto haben.“ So mancher, der bislang rätselnd unter den grünen Riesen stand, wird nun mit Hilfe der Bestimmungstafel durch den Stadtgarten geführt.

Helmut Ernst, Ortsbürgermeister von Jeßnitz, weiß noch mehr, als auf dem Granitstein steht. Er kennt die Geschichte der grünen Oase. „Bis 1715 gab es hier noch einen Fährbetrieb. Sogar Zoll wurde eingenommen“, erzählt er. Damals hieß der Stadtgarten noch Dammgarten. 1822 wurde die grüne Oase dann verkauft: an Friedrich David Schreiber. Dessen Sohn sollte später einmal in Jeßnitz eine Flaggenfabrik errichten. Erst 1921 wurde der Stadtgarten wieder städtisches Eigentum, weiß Helmut Ernst. Der freute sich vor allem über die große Resonanz bei der feierlichen Übergabe der Tafel und darüber, dass Jeßnitz einen weiteren Anziehungspunkt bekommen hat.