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Park der Chemiearbeiter Park der Chemiearbeiter: Stadt: TLG soll Villa abreißen

Von Alexander Schierholz 22.01.2004, 17:55

Bitterfeld/MZ. - Rauball erklärte, er sei sich mit Landrat Uwe Schulze (CDU) einig, dass das denkmalgeschützte Haus nicht zu halten sei, seit die TLG vor Weihnachten die Grundwasser-Pumpe abgeschaltet hatte (die MZ berichtete). Schulze sagte am Donnerstag, da niemand die hohen Pumpkosten (60 000 Euro im Jahr) übernehmen wolle, bleibe nur der Abriss, zumal die Villa vom Frost stark beschädigt werde. Ein Abriss-Antrag müsste vom Kreis genehmigt werden. Die TLG, die die Villa verkaufen will, kündigte für heute eine Stellungnahme an. Rauball regte zudem an, nicht nur das Haus, sondern auch das IG-Bad abzubrechen.

Bewohner der Kraftwerkssiedlung befürchten indes, dass das Grundwasser in ihre Keller läuft. "Villa weg, Senke zu - damit macht man es sich zu einfach", meinte in der Bürgerfragestunde der Ratssitzung Bernd Endler. Niemand wisse, wie die alten Schächte unter dem Gelände verlaufen. Deshalb werde sich das Problem durch eine Verfüllung des Villen-Grundstücks nicht lösen lassen. Gerhard Gutsch warnte: "Das Wasser sucht sich seinen Weg durch kleinste Ritzen."

Baudezernent Eckbert Flämig entgegnete, der Wasserstand an der Villa habe sich seit einigen Tagen "nicht wesentlich" verändert. Das hätten Messungen ergeben. Da das Villengrundstück sehr tief liegt, sind Keller in der Siedlung aus seiner Sicht nicht gefährdet.

Gegenüber der MZ verwies der Dezernent zudem auf ein Gutachten des damaligen Chemiekombinates von 1976, das ebenfalls Entwarnung gab. Auf Nachfrage sagte Flämig, das Papier sei durchaus noch gültig, schließlich hätten sich die topographischen Gegebenheiten nicht verändert. Er kündigte aber an, den Pegel noch einmal mit genaueren Methoden zu messen.

Eine Verfüllung dürfte indes nicht von heute auf morgen möglich sein. Die Stadt rechnet damit, dass dafür ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren notwendig ist. Schließlich sei nach dem Abstellen der Pumpe ein See entstanden, sagte Flämig. Dabei würden dann ohnehin mögliche Risiken für die Kraftwerkssiedlung untersucht.

Eins immerhin steht fest: Das Wasser ist nicht kontaminiert. Das hat die Analyse von Proben ergeben, die die Stadt und der CDU-Fraktionschef Lars-Jörn Zimmer unabhängig voneinander untersuchen ließen.