Neujahrsinterview mit Rolf Sonnenberger Neujahrsinterview mit Rolf Sonnenberger: Stadtchef will mehr Bauland für Zörbig

Zörbig - Rolf Sonnenberger (64, Bürger für Zörbig/Wählerliste Sport) wird bei der Zörbiger Bürgermeisterwahl im März nur noch zuschauen.
Zur Jahreshälfte scheidet er aus dem Amt aus und widmet sich neuen Aufgaben. MZ-Redakteur Stefan Schröter hat den Bürgermeister zu letzten Zielen als Stadtchef befragt und wie es für ihn danach weitergeht.
Herr Sonnenberger, was haben Sie sich für Ihre letzten Monate im Amt vorgenommen?
Rolf Sonnenberger: Wir wollen unser Integriertes Stadtentwicklungskonzept, kurz ISEK, zum Abschluss bringen. In dem Papier geben die Verwaltung und der Stadtrat die Entwicklungsziele für die Zörbiger Zukunft vor. Das sehe ich als meinen Abschlussbeitrag als Bürgermeister.
Was für eine Perspektive zeichnet das ISEK für die Stadt Zörbig im Jahr 2030?
Rolf Sonnenberger: Ein Schwerpunkt ist die Weiterentwicklung des Flächennutzungsplans. Die Zahl unserer Bauflächen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Jetzt wird es Zeit, neues Bauland zu schaffen.
Wo soll gebaut werden?
Rolf Sonnenberger: Sicherlich wird Zörbig ein Schwerpunkt für die Stadtentwicklung bleiben, aber wir versuchen auch die Identität der Orte zu erhalten und in fast allen Orten neue Bauflächen zu schaffen. Beispielhaft ist zu nennen, dass in Schortewitz an der Kreisstraße noch einige Wohnbauflächen verfügbar sind.
Eine Säule ist auch die Zörbiger Bildungslandschaft. Was verrät das ISEK hier über die Entwicklung?
Rolf Sonnenberger: Es geht um neue Impulse, einmal durch Weiterentwicklung in Trägerschaft des Vereines Land.Leben.Kunst.Werk. Und über ein Projekt des Europäischen Sozialfonds ESF wollen wir für alle Bürger Räume schaffen, in denen sie sich beteiligen und Wissen austauschen können.
Was sind das für Räume?
Rolf Sonnenberger: Wir haben unsere Schulen, unsere Kitas, unser soziokulturelles Zentrum im Schloss, das Gut Mößlitz ... Und wir haben vor allem unsere Vereine, die sich mit der jeweiligen Ortsgeschichte befassen. Diese Ehrenamtlichen aus allen Ortschaften wollen wir schulen, wie sie Materialen aufarbeiten und präsentieren können.
Übernimmt Letzteres der Historiker Stefan Auert-Watzik, der über den ESF bei der Stadt Zörbig im Bereich Schloss arbeiten wird?
Rolf Sonnenberger: Ja. Es geht um eine Vernetzung der Angebote. Da ist Herr Auert-Watzik federführend. Außerdem erwarten wir über die Kultur-Erbeförderung rund 300.000 Euro, um unser neues Museumskonzept baulich umsetzen zu können.
Welche weiteren Investition strebt die Stadt Zörbig 2019 an?
Welche weiteren Investition strebt die Stadt Zörbig 2019 an?
Rolf Sonnenberger: In Großzöberitz wird das Bürgerhaus ausgebaut, wo einst der Jugendclub drin war. Das Haus soll ein Treffpunkt werden für Heimatfreunde. Großzöberitz bekommt dadurch ein neues Zentrum. Der Außenbereich erhält dort Bewegungsangebote für Jung und Alt. Das 300.000-Euro-Projekt ist bereits ausgeschrieben.
Wer wird sich um das Haus kümmern?
Rolf Sonnenberger: Der Ortschaftsrat, der Ortsbürgermeister, der Heimatverein. Dort sind alle sehr aktiv, um das Objekt inhaltlich auszugestalten.
Wo wird noch investiert?
Rolf Sonnenberger: In Schortewitz soll dieses Jahr der Mehrgenerationenspielplatz fertig werden. Das wollten wir eigentlich schon 2018 schaffen, aber die Lieferzeit der Spielplatzgeräte ist sehr üppig. Der Spielplatz bekommt Elemente für die Kinder und für die Erwachsenen weitere Geräte zum Balancieren oder Kräftigen.
So etwas gibt es in der Form in Zörbig noch nicht. Wir setzen Maßnahmen im Stadtbad und auf dem Gut Mößlitz fort. Außerdem investieren wir in Stumsdorf in den Ausbau der Turnhalle für die Feuerwehr und für den Sport. Das neue Fahrzeug für die Stumsdorfer Kameraden, das HLF 20, ist bereits da.
Wo steht das Fahrzeug jetzt?
Rolf Sonnenberger: Bei der Zörbiger Wehr, bis die Bauarbeiten in Stumsdorf fertig sind.
Wird es bereits für Einsätze genutzt?
Rolf Sonnenberger: Nein. Die Ausbildung auf dem HLF 20 dauert noch an.
Wann kommt das Fahrzeug für die Zörbiger Ortswehr?
Rolf Sonnenberger: Das TLF 3000 soll in diesem Jahr kommen, vielleicht aber erst 2020. Das wird eine weitere Investition in den Brandschutz.
Für die Feuerwehrfahrzeuge braucht es Personal. An der Spitze in Zörbig gab es zuletzt Probleme. Der kommissarisch eingesetzte Ralf Rösner trat zurück. Wie geht es bei der Stadtwehrleitung weiter?
Rolf Sonnenberger: René Gaubitz hat jetzt die Stadtwehrleitung kommissarisch übernommen. Einen Stellvertreter für ihn gibt es offiziell noch nicht, lediglich einen Namen. Seitdem René Gaubitz übernommen hat, herrscht eine klare Struktur und er erfährt eine hohe Anerkennung. Die Dienstberatungen laufen auf eine Art und Weise ab, wie wir es vorher nicht hatten.
Macht René Gaubitz weiter und lässt sich auch wählen?
Rolf Sonnenberger: Die Hoffnung haben wir. Wir werden das Vorschlagsverfahren für die förmliche Wahl in diesem Jahr realisieren. Aber einen Termin haben wir noch nicht.
Ende Juni 2019 endet formell die letzte Amtszeit von Rolf Sonnenberger als Bürgermeister
Wie steht es um das schnelle Internet in Zörbig?
Rolf Sonnenberger: Der Regelausbau der Telekom hat begonnen und ist in Cösitz schon fertig. Auch alle anderen Ortsteile sollen bis Ende des Jahres profitieren können. Die Vorgaben für eine „digitale Kommune“ erfordern auch in der Verwaltung Investitionen in neue Technik.
Denn ab Ende 2019 sollen wir Rechnungen digital verarbeiten können. Dafür müssen neue Server, neue Software und neue Computer gekauft werden. Der Umgang mit Dokumenten ändert sich durch die externen Vorgaben. Daher haben wir zum 1. Januar einen Administrator eingestellt. Die Anforderungen an die Verwaltung steigen und über den Sinn und Finanzierbarkeit könnte man streiten.
Sie hatten bei den Investitionen noch keine Straßen erwähnt. Sind dort 2019 keine Bauarbeiten geplant?
Rolf Sonnenberger: Nein. Das haben wir in diesem Jahr nicht auf dem Tableau. Die Debatte um den Straßenausbau war zuletzt auch schwierig. Die Bürger in Prussendorf haben die Sanierung der Groß-Döhrener Straße wegen der Straßenausbaubeiträge abgelehnt, die damit auf sie zukommen würden. Und wir bauen keine Straße gegen den Bürgerwillen.
Was ist mit der Langen Straße in Zörbig?
Rolf Sonnenberger: Es würde zirka zwei Millionen Euro kosten, sie zu sanieren. Und fragen Sie doch mal die Hauseigentümer in Zörbig, ob sie bereit wären durchschnittlich 10.000 Euro an Straßenausbaubeitrag beizusteuern.
Ihre Amtszeit endet formell am 30. Juni 2019. Was haben Sie für die zweite Jahreshälfte geplant?
Rolf Sonnenberger: Dann kann ich mich endlich mehr um meine Familie kümmern. Denn meine Frau musste in den vergangenen 14 Jahren viel auf mich verzichten. Deshalb werden wir künftig zusammen wieder mehr Dinge unternehmen. Darüber hinaus spiele ich bei den Alten Herren in Zörbig Basketball.
Dort werde ich vielleicht wieder als Übungsleiter anfangen. Einer meiner beiden Enkel spielt Basketball. Schon in den 80er Jahren war ich Sektions- und Übungsleiter. Wir sind in Zörbig letzter Jugend-A-Meister der DDR geworden. Wir waren eine kleine Hochburg in der Sportart.
Rolf Sonnenberger: Werden sie also einen Lehrgang besuchen für den Übungsleiterschein?
Ich habe meinen Übungsleiterschein immer wieder verlängert. Aber ich hatte bisher nicht die Zeit, dieses Amt im Breitensport zu übernehmen. Ich hoffe außerdem, dass ich im Mai wieder in den Kreistag und auch in den Zörbiger Stadtrat gewählt werde und weiterhin politisch tätig sein kann. Die Hände werde ich jedenfalls nicht in den Schoß legen. (mz)