Kälterekord Kälterekord: Verlierer des Winters

bitterfeld/MZ - „Bis minus elf Grad sind die Temperaturen in der Nacht zum Sonntag im Raum Bitterfeld abgesackt“, sagt Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Das habe es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges - weiter zurück reichen die detaillierten Aufzeichnungen nicht - so spät im März nicht mehr gegeben. „2005 wurden auch minus elf Grad gemessen - aber das war am 2. März“, so Böttcher. Der extrem lange Winter lässt niemanden mehr jubeln. Doch was die meisten nur nervt, ist für manche eine kleine Katastrophe. Vom Gärtnereibesitzer bis zu den Fußballprofis reicht die Liste der Winter-Verlierer.
Der Ball rollt nicht
Schneebedeckte oder vereiste Fußballplätze machen Riesenprobleme. „Wir mussten in diesem Winterhalbjahr schon rund 24 Spiele in der Fußball-Kreisoberliga und Kreisliga verschieben“, zieht Staffelleiter Dieter Pohlenz eine verheerende Bilanz. Jedes Wochenende steige die Zahl weiter. Wie das alles aufgeholt werden soll, könne derzeit niemand sagen. Fest steht, dass die Aktiven schon vier Wochen lang keine Punktspiele mehr absolviert haben. Zwar werde in den Hallen zumindest das Training durchgeführt, „aber das ist kein Vergleich zu einem Fußballplatz“.
Autos mit Schneehauben
Das morgendliche Abkehren des Schnees vom Auto und das Freikratzen der Scheiben nervt schon die Fahrer. Mit welchem Stress haben dann erst die Autohäuser zu kämpfen. „Unsere Leute sind nach jedem Schneefall zwei Stunden im Einsatz, um auf dem Gelände klar Schiff zu machen“, schildert Brigitte Rexin vom Autohaus Fietz in Altjeßnitz. Diese Zeit fehle natürlich bei der Wartung oder Reparatur der Fahrzeuge oder der Hilfeleistung beim Kunden. Besondere Vorsicht müssten die Mitarbeiter bei ihrem Wintereinsatz bei den Neuwagen walten lassen, die auf dem Betriebshof stehen. „Schließlich will der Kunde ja ein Auto ohne Kratzer.“
Bäume mit Frostschaden
Jeder sehnt den Lenz herbei, doch Primeln, Osterglocken oder Tulpen kauft bei diesen Temperaturen niemand für seine Balkonkästen. Die Gärtnereien haben den Schaden. „In diesem Jahr ist es richtig schlimm“, bestätigt Claus Voigt von der gleichnamigen Baumschule in Priorau. Die verlorenen Wochen seien auch nicht mehr aufzuholen. „Was jetzt nicht in die Erde kommt, das kann man nicht nachholen.“ Doch die extremen Minusgrade treiben ihm noch weitere Sorgenfalten auf die Stirn: „Wir müssen Obacht geben, dass es bei den jungen Bäumen, die bei uns draußen auf der Anlage stehen, nicht zu starken Frostschäden kommt“, sagt er.
Viel Schnee kostet viel Geld
Die massiven Schneefälle sind auch für den Winterdienst eine Belastungsprobe: „Wir mussten in diesem Jahr mehr als doppelt so viele Schneeräumeinsätze fahren wie im vorigen Jahr“, sagt Uwe Brückner von der Forma ToKo-Dienstleistung aus Wolfen. Da die Firma für alle Wintereinsätze zusammen einen Pauschalsatz bekomme, sei das Räumen aus wirtschaftlicher Sicht für sie dieses Jahr ein Zusatzgeschäft. Waren im Vorjahr 20 Einsätze zu absolvieren, mussten die ToKo-Leute diesen Winter schon 50 Mal raus.
Baumarkt ist startbereit
In den Baumärkten warten Gartenmöbel auf Kundschaft. Doch Umsatz macht Michael Felke vom Baumarkt Max Bahr in Wolfen damit gerade keinen. „Sicher wird sich jetzt niemand eine Hollywoodschaukel oder Gartenmöbel kaufen“, sagt er. Dennoch bleibt er optimistisch und hofft, dass der lange Winter nur eine Verzögerung für den Verkauf bedeutet. „Die Leute stehen in den Startlöchern. Sobald die Sonne die Oberhand gewinnt, wird sicher wieder Hochbetrieb herrschen“, hofft der Marktleiter. Etwas Positives kann er dem langen Warten aber abgewinnen: „Die Menschen haben mehr Zeit, sich was Schönes auszusuchen. Wir sind gewappnet.“
Energieverbrauch angeblich normal
Langer Winter bedeutet langes Heizen. Zahlen wir deshalb letztlich alle drauf? Die Stadtwerke Bitterfeld-Wolfen können im Durchschnitt keine überhöhte Energieabnahme verzeichnen. „Der Januar war mit einer Durchschnittstemperatur von 0,55 Grad Celsius relativ warm, auch wenn das Thermometer schon mal auf Minus 12,7 Grad gesunken war“, heißt es. Im Durchschnitt gleiche sich das aber wieder aus.


