Holzweißig Holzweißig: Ungewöhnlicher Gottesdienst
Holzweissig/MZ. - Denn dass er hier in Deutschland ständig an Sprachgrenzen stößt, das ärgert ihn ein bisschen.
Zum zweiten Mal ist der schlanke Mann mittleren Alters in Deutschland, zum ersten Mal in Holzweißig. Und hier, in der evangelischen Gemeinde, schließt sich auf schöne Weise ein Kreis: "Vor 21 Jahren haben wir mit seiner Mutter die Patenschaft zwischen unserer Gemeinde und der Gemeinde aus Santa Clara in Kuba besiegelt", sagt Ruth Heyroth, damals Pfarrerin in Holzweißig.
In dieser Zeit hat sich nicht nur die Partnerschaft entwickelt, in dieser Zeit sind viele persönliche Freundschaften entstanden. Auch Edith Freitag hat echte Freunde in Santa Clara. "Das ist was ganz besonderes für mich", sagt sie, "die Leute sind so offen und herzlich, so fröhlich. Ich denke, mit den Augen der Freunde sieht man das Land ganz anders, kann auch die Probleme der Menschen dort verstehen."
Nach dem Besuch einer Delegation Holzweißiger Christen in Santa Clara zum 20. Geburtstag der Gemeinde-Patenschaft im vergangenen Jahr, ist jetzt Daniel Izquierdo über das Berliner Missionswerk nach Deutschland eingeladen worden. Eine Station des dreiwöchigen Aufenthalts ist Holzweißig. Der Geistliche - hier zu sehen etwa im Rang eines Bischofs - hat am Sonntag in der kleinen, frisch sanierten Kirche die Predigt gehalten. Das Thema: Dankbarkeit. "Es ist ein bisschen problematisch in der Gesellschaft, Dankbarkeit zu zeigen", sagt er.
Deshalb sei es wichtig und gut, das zu thematisieren. Für ihn gehöre zur Dankbarkeit auch Freundschaft. "Und die erlebe ich hier." In Santa Clara fand zur selben Zeit ein Gottesdienst mit gleichem Inhalt statt. "Es wird über den gleichen Text gepredigt, die gleichen Lieder werden gesungen und Fürbitten werden ausgesprochen", erklärt Gemeindekirchenratsvorsitzender Uwe Kröber. "Wir tauschen uns dann per Telefon aus. Das ist ein bisschen schwierig, aber es geht."
Das, was den kubanischen Geistlichen in Holzweißig besonders beeindruckt hat, drückt er so aus: "Hier herrscht zwar ein gutes Lebensniveau, aber es ist nicht so opulent, verglichen mit den USA zum Beispiel. Man fühlt sich hier sofort wohl." Auch das Umweltbewusstsein, das er in der Chemieregion erkennt, mache Eindruck auf ihn, sagt Daniel Izquierdo und meint damit vor allem den Umgang mit erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne.