Gut Mösslitz Gut Mösslitz: Kleine Züge ganz groß

Mösslitz - Über Nacht ist Schnee gefallen. Der Schneeflug hat auf den Gleisen Schwerstarbeit verrichten müssen. Doch jetzt läuft alles. Güterzüge rollen, Triebwagen fahren pünktlich im Bahnhof ein oder machen Stopp am Haltepunkt. Alles ist fast wie im normalen Bahnleben. Nur eben 87 Mal kleiner.
Die Winteranlage der Größe H0 ist die neue Errungenschaft der Modellbahn AG des Fördervereins Gut Mößlitz. Zum zweiten Neujahrstreffen der AG am Wochenende war sie das erste Mal zu sehen. „Wir wollen immer neue Sachen präsentieren“, sagt Sebastian Herbsleb. Er bildet mit Rolf Haustein, Kay Falz, Detlef Häring und Heinz Heimrat den Kern der Mößlitzer Modellbahner und hat am Steuerpult jede Menge zu tun.
Bahn im Minitaturformat begeistert nicht nur Eisenbahner wie Sebastian Herbsleb. Die mit viel Liebe zum Detail und jeder Menge Fingerspitzengefühl entstandenen Anlagen sind ein Besuchermagnet. Zu Hunderten kamen Modellbahnfans nach Mößlitz. „Weil mich so etwas fasziniert. Ich hatte als Kind eine Anlage. Aber mit dem hier ist das nicht zu vergleichen“, erzählt Ralf Conrad. Der Hallenser kann sich nicht sattsehen an den kleinen Bahnwelten.
Die sind auf den ersten Blick eine Spielwiese für Männer. Sie drehen an den Reglern, koppeln Waggons, sorgen für Licht in ihrer heilen Welt. Frauen muss man suchen. Es gibt sie. Aber eben nicht in großer Schar. Warum, kann von den Mini-Bahnern niemand so richtig erklären. Andy Gründer vom Modellbahnclub Wittenberg vermutet, dass Frauen weniger auf Technik denn auf Modellbau und feine Handarbeit setzen. „Deshalb bin ich wahrscheinlich schon mehr in Richtung Modellbau abgedriftet.“
Plattenbauten nach WBS-70-Standard
Mit seiner Partnerin setzt er weniger auf Bausätze. Er stellt reale Szenen nach. Plattenbauten nach WBS-70-Standard finden sich. Davor steht ein VW-Autohaus. Auf der Platte nebenan hat der Wittenberger die Windbergbahn bei Dresden wohnzimmertauglich gemacht. Detailtreue ist Plicht. „Aber solche Anlagen müssen auch ein paar Raffinessen haben.“ Brücken und Tunnel sind fast Standard. Eine Herausforderung ist, wenn es nicht grünt und blüht. Winter auf die Platte zu zaubern, ist mehr, als mit weißer Farbe zu hantieren.
„Wir werden die Lokomotiven und Waggons noch einfärben“, sagt Herbsleb. Die Winteranlage ist längst nicht fertig. Neun Meter Gleis machen allein keine perfekte Bahn aus. Häuser und Straßen brauchen die Winterrobe. „Und mehr Figuren müssen drauf.“ Bäume mit Schneekrone auch noch.
Ina Sickert könnte dabei vielleicht helfen. Mit Ehemann Steffen hat die Lokführerin aus Muldestausee die Modellbaumschmiede Sachsen-Anhalt auf den Weg gebracht. Draht wird gebogen, beflockt, bemalt. „Es muss echt aussehen“, sagt die Frau, für die Modellbau die Entspannung vom Job im Führerstand einer Güterlok ist. Sickerts mögen es genau. Ihre Bäume scheinen riesig. „Aber das ist der richtige Maßstab. Eine 30 Meter hohe Birke misst auf H0 umgerechnet 35 Zentimeter.“ Modellbahner lieben Details - und die Besucher staunen. „Wenn ich das sehe, könnte icht durchstarten“, sagt Ralf Conrad. „Zeit hätte ich. Bin gerade Rentner geworden.“ (mz)

