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Großer Bagger beißt sich gut durch

Von CHRISTINE KRÜGER 11.02.2009, 17:47

BITTERFELD/MZ. - An der Diesterwegschule hat er einen guten Platz gefunden, von dem aus er alles im Blick hat - den gelben so genannten Longfront-Bagger, dessen Greifer 30 Meter hoch ist, und den Mann mit dem blauen Bauhelm, der mit einem kräftigen Wasserstrahl aus einem Feuerwehrschlauch den Staub, der beim Abbruch entsteht, in Grenzen hält.

Seit Mittwoch geht es hier beim Kiz quasi ans Eingemachte: Das Gebäude, das in den vergangenen zwei Monaten entkernt worden ist, wird nun abgerissen. Riesige Brocken stahlbewehrten Beton reißt der Bagger aus der Wand - in routinierter Ruhe einen nach dem anderen. In der kommenden Woche, sagt ein Mitarbeiter des Unternehmens Jaeger Spezial- und Tiefbau GmbH & Co. KG aus Bernburg, das für den Abriss des Kiz zuständig ist, wird an der Stelle des einst so beliebten Tanz- und Veranstaltungshauses nur noch ein riesiger Haufen großer Betonbrocken und Ziegelsteine liegen.

"Da kommt noch viel Arbeit hinterher", sagt der Mann, der seit Jahr und Tag auf Baustellen zu Hause ist. "Das muss dann alles zerkleinert und abtransportiert werden." Die Arbeit, die er und sein Kollege hier machen, bezeichnet er als eine, "die schon anspruchsvoll" ist. "Der Baggerfahrer muss schon aufpassen", meint er. "Aber es gibt Schwierigeres, zum Beispiel eine enge Baulücke." Die gibt es hier nicht, denn bereits in den vergangenen Wochen ist der Garagenkomplex unmittelbar neben dem Kiz abgerissen worden.

Und bis zur benachbarten Diesterwegschule, wo noch immer Dieter Mehnert steht und zuschaut, ist hinreichend Platz. Mehnert, der Bitterfelder, verbindet manch schöne Erinnerung mit dem Gebäude. "Ach, das war richtig schön. Was haben wir getanzt und gefeiert hier drin", schwärmt er lächelnd. Aber nun, sagt er, wird es Zeit, dass die Ruine endlich weg kommt. "Es war ja, ehrlich gesagt, ein Schandfleck für die ganze Stadt."

Frost und Schnee der vergangenen Wochen haben den Bauarbeiten ganz schön zugesetzt und den Arbeitern "jede Menge Probleme" bereitet. "Wir konnten zum Beispiel nicht aufs Dach. Und wir konnten die Stützen nicht betonieren, um den Giebel des Nebengebäudes zu sichern", erklärt Bauleiter Willi Geistlinger von der Bernburger Firma Jaeger Spezial- und Tiefbau. "Wir sind etwas im Verzug." Wann hier alles erledigt ist? Auf eine definitive Antwort will er sich nicht festlegen. Am 15. November vergangenen Jahres wurde die Baustelle eröffnet. 32 Firmen aus ganz Deutschland hatten sich um den Auftrag beworben.

Das Areal um das Kiz ist Teil des so genannten Binnengärtenzentrums in Bitterfeld, das sich zwischen Binnengärtenstraße und Ratswall erstrecken wird. Eingeschlossen ist in die Gestaltung auch die ehemalige Diesterwegschule, die seit Jahren leer steht und für die es bis dato keine Verwendung gibt. Die Arbeiten an diesem großen Projekt der IPG Stadtentwicklungsgesellschaft werden sich über das gesamte nächste Jahr erstrecken. An der Stelle, an dem sich heute gerade noch das Kiz befindet, werden 50 Parkplätze sowie Grünanlagen entstehen. Rund 300 000 Euro werden Abriss und Renaturierung sowie Bau des Parkplatzes kosten. Das Geld kommt von Stadt, Land, Bund und EU.