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«Die Kröte müssen wir ganz einfach schlucken»

Von Iris Lademann 13.11.2007, 17:49

Bitterfeld/MZ. - Lagen die Preise für Diesel am Montagabend an den "Billigtankstellen" bei 1,28 Euro, waren es am Dienstagfrüh wieder über 1,30 Euro. "Mann müsste ganz einfach das Fahrrad nehmen und so die Tankstellen boykottieren", meinte am Dienstagmorgen eine verärgerte Nissan-Fahrerin an der Tankstelle. Das gehe aber nicht, weil der Weg zur Arbeit einfach zu weit sei.

Den Firmen geht es nicht anders. Auch bei ihnen müssen die Räder rollen, damit der Euro wenigstens noch etwas in der Kasse klingelt. Hans-Peter Beck, Inhaber des Wolfener Unternehmens Bewa-Schlüsselservice und Schließtechnik, musste bereits einem Mitarbeiter kündigen und ein Auto still legen.

Von ehemals zehn bis zwölf Leuten beschäftigt er derzeit nur noch zwei. "Wenn das so weitergeht, dann werde ich bald alles allein machen müssen", sagt er verärgert. Und er wisse auch von anderen Handwerksbetrieben, dass sie ihr Personal "herunterfahren" mussten. "Der Mittelstand braucht Geld, und nicht noch höhere Kosten", sagt er wieder mit Blick auf die Spritpreise. "Ich überlege schon früh, welche Strecke ich fahren muss, um so viel wie möglich auf einer Tour zu erledigen. Darüber habe ich mir früher gar keine Gedanken gemacht." In seiner Branche sei man nun einmal vom Auto abhängig, setzt er hinzu.

Das ist bei Andreas Beuster von "Bitterfeld-Transport" nicht anders. Umzüge nah und fern steht außerdem auf seinem Firmenlogo. "Wir können die gestiegenen Kosten nicht auf unsere Kunden umlegen, weil es zum einen langfristige Verträge gibt, die nicht geändert werden können, und zum anderen möchten wir die Preise bei den Verdiensten der Leute nicht ins Unermessliche schrauben. Wir müssen die Kröte ganz einfach schlucken und alles selbst verkraften", sagt er resigniert. Es bleibe nichts anderes übrig, als so lange durchzuhalten, wie es geht.

Auch für Werner Bassen, Chef des Zörbiger Hoch- und Tiefbauunternehmens "Bartz-Bau", werde es immer schwieriger, ein positives Betriebsergebnis zu erreichen. Dazu kommen jetzt auch noch die gestiegenen Kraftstoffpreise, nicht auf die Kunden umgelegt werden können. "Diese zusätzlichen Kosten müssen wir nun auch noch schlucken", sagt der Firmenchef.

Ganz schwierig ist die Situation auch für die Taxifahrer. Eigentlich, so der einheitliche Tenor, könnte man das Auto besser stehen lassen. Doch dann komme gar kein Geld mehr rein. Schwierig sei die Gesamtsituation vor allem deshalb, weil das Gros, Fahrten für die Krankenkassen sind - Krankentransporte, Dialysefahrten, Heilbehandlungen und dergleichen mehr. Nur, die Kassen zahlen laut Vertrag unter Taxi-Tarif. Daran ändern auch die stark erhöhten Spritpreise nichts. Und Fahrgäste, die mit Gepäck zum Bahnhof müssen oder von einer Feier abgeholt werden wollen, gehören schon fast in den Bereich der Exoten.