Bundestagswahl Bundestagswahl: Jan Korte will sein Direktmandat verteidigen

bitterfeld/MZ - Die Tingeltour beherrscht er. Bei den meisten Bürgersprechstunden in seinem Wahlkreis ist Jan Korte selbst vor Ort und diskutiert mit den Leuten. Oder er spricht mit ihnen in Vereinen und Unternehmen. Er nimmt Anregungen mit, stellt Anfragen im Bundestag. „Dafür bist du gewählt von den Leuten und dann hast du auch die Pflicht, das gut zu machen“, erklärt der Politiker der Partei Die Linke sein Engagement, dass für ihn auch Selbstverständnis ist.
Dieses Engagement hat dem 36-Jährigen bei der Bundestagswahl 2009 das Direktmandat im Wahlkreis Anhalt beschert. Das will er nun verteidigen und führt deshalb an, was er in vier Jahren geleistet hat. Er habe die Region bekannter gemacht in Berlin, sagt er, und sich für die Belange der Bürger stark gemacht. Kleine Erfolge führt er an, etwa den Erhalt des Mehrgenerationenhauses in Wolfen. Aber auch seinen Einsatz bei großen Problemen, die die Menschen hierzulande beschäftigen.
Als die Solarindustrie in die Krise geriet und die Bitterfelder Unternehmen Q-Cells und Sovello Insolvenz anmeldeten, machte sich Korte für einen Solargipfel der Branche vor Ort stark. Beim Hochwasser im Juni, das ihn in seiner Bitterfelder Wohnung selbst erwischte, schippte er am Deich mit anderen Helfern Sand in die Säcke. Seine Erfahrungen brachte er vor dem Bundestag in der Regierungserklärung zum Hochwasser in Sachsen-Anhalt ein. Er ist stolz auf das Geleistete. „Ich hoffe, dass die Leute mich daran messen“, gibt er sich dennoch bescheiden.
Jan Korte wurde am 5. April 1977 in Osnabrück geboren. Er wohnt in Bitterfeld-Wolfen und Berlin. Im Jahr 2005 schloss er ein Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Geschichte an der Universität Hannover ab.
Der Politiker ist verheiratet und hat eine Tochter.
Zum Entspannen geht er angeln. Besondern gern an der Goitzsche und am Muldestausee. Ein weiteres Hobby ist schreiben. (kan)
Was die Leute hier bewegt, bringt ihn oft auch persönlich in Rage. Die noch immer niedrigeren Löhne und Renten im Osten im Vergleich zum Westen und steigende Mieten. „Das kann nicht sein“, ist ein Satz, den Korte mit viel Nachdruck immer wieder sagt, wenn es um diese Themen geht, mit denen er auch im Wahlkampf antritt.
Da fällt es kaum mehr auf, dass der Politikwissenschaftler ein Zugereister ist. Der kürzlich verstorbene Lothar Bisky brachte den gebürtigen Osnabrücker in die Bundespolitik. Woraufhin er für die Bundestagswahl 2005 vom Landesverband Sachsen-Anhalt seiner Partei auf die Landesliste gesetzt wurde. Mit einer Bedingung: „Du machst deinen Abschluss“, zitiert der damalige Student und Vorsitzende der PDS Hannover den damaligen Bundesvorsitzenden. Ein bisschen sei der schon ein väterlicher Freund gewesen, verrät Korte. Den Rat befolgte er, zog in den Bundestag ein und hatte wenig später den Magisterabschluss in der Tasche.
Die Region Anhalt lernt er seit 2005 kennen und schätzen. „Ich fühle mich hier verankert“, sagt der Politiker heute. Die Skepsis in der Partei und bei den Leuten sei längst gewichen. Korte sieht sich nicht nur als Volksvertreter, sondern auch als einer von hier. Zum Beispiel beim Bitterfelder Angelclub, wo er als Vereinsmitglied begeistert dem Angeln frönt und zum Feierabend mal mit den anderen ein Bier trinkt. Auch das gehört zur Tingeltour.