Bitterfelder Leine ist Großbaustelle
Bitterfeld/MZ. - Auf über fünf Kilometer wird das kleine Flüsschen, über das der Tagebausee seinen natürlichen Abfluss bekommt und das das gehobene Bitterfelder Grundwasser aufnimmt, verbreitert, ausgebaut, vertieft. Das macht ein so genannter Longfrontbagger mit seinem 22-Meter-Ausleger. 20 Meter kommt er am Tag voran. "Das Material, was er rausholt, muss sofort wieder verbaut werden", erklärt Manfred Riedel von der Firma Ecosoil Ost, der hier der Polier auf der Baustelle ist. "Das ist hier tückischer Boden, der rutscht schnell nach."
Die schmale, zugewucherte, schnuddelige Leine wird jetzt ein kleiner Fluss mit sauberem Wasser und im nächsten Jahr, sieht Michael Woytusch von der LMBV voraus, wird sich die Natur auch die jetzt noch kahlen Böschungen zurück geholt haben. An der Sohle ist die Leine 3,50 und zwischen den Ufern 15 bis 18 Meter breit. Sie kann einen Wasserstand bis zu zwei Metern führen. "Ach", winkt Riedel ab, "was wir hier rausgeholt haben, das glaubt kein Mensch: einen Trabi, Motorräder, Fahrräder. Und jetzt gibt es schon wieder Stellen, wo die Leute einfach ihren Müll abkippen."
Jetzt konzentrieren sich Bauarbeiter, Bagger und Baufahrzeuge auf dem letzten Abschnitt. Der liegt ein paar Meter vor der Berliner Brücke und erstreckt sich bis zum Ablauf der Goitzsche. 1 650 Meter.
Ein Schwerpunkt hier ist die Berliner Brücke, eine von insgesamt drei, deren Gründungen stabilisiert werden müssen. "Es strömt mehr Wasser auf die Pfeiler, die Strömung würde sie nach und nach freilegen, weil sie das Material vom Grund mitnimmt", erläutert Sven Wend vom Unternehmen Dresdner Wasserreinigungsgesellschaft. Mit schwerem Gerät sind die Männer der Firma Spezial Tiefbau Erfurt unter der Brücke zugange. Sie und das Bohrgerät stehen in einer grauen Pampe. Die Tiefbauer bohren Kanäle in das Erdreich, zehn Meter fünfzig tief. "Wir machen die Verankerung der Pfähle", sagt Polier Matthias Planer. Die wird später das Fundament des neuen Brückentroges aus Stahlbeton, der 2,50 Meter tief und fünf Meter breit ist, tragen. Viel Zeit hat Planer nicht, er muss seinem Kollegen Andreas Hessel, der von einem kleinen Bagger aus den großen Bohrer führt, helfen. "Eine schwere Arbeit", stellt er fest und sagt noch staunend, dass sie an dieser alten Brücke aus dem Jahr 1841 bei ihren Bohrungen immer wieder auf alte Holzpfähle stoßen. "Die Brücke ist auf Eichenholzpfählen gegründet. Die halten immer noch."
Ein Stück weiter vorn tut sich eine gewaltige Grube auf. Eine Hauptwasserleitung wird hier tiefer in die Erde gelegt. Ein gewaltiger Teil der Bauzeit, erklärt Woytusch, ist für solche Arbeiten drauf gegangen. Insgesamt 15 Gas-, Strom-, Wasser-, Telekomleitungen mussten 2,5 Meter tiefer verlegt werden.
Am Jahresende soll die Baustelle Leine abgeschlossen sein. Bis dahin werden für das große Projekt insgesamt über fünf Millionen Euro investiert worden sein.