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Anhalt-Bitterfeld Anhalt-Bitterfeld: Mit einer ruhigen Hand und einem treffsicheren Auge

Von ULF ROSTALSKY 08.08.2010, 15:42

RAGUHN/MZ. - In Raguhn ist der Thron wieder besetzt. 58 Aktive der Schützengilde Schloss Libehna schossen Sonntagmorgen um die Königsehre und sorgten damit zumindest teilweise für ein Stühlerücken. Denn während bei den Männern Wolfgang Voigtsberger den Platz von Vorjahressieger Gerhard Seelmann einnahm, kann Petra Bergholz weiterhin regieren. Die Ärztin aus Zscherndorf bewies einmal mehr eine ruhige Hand und ein treffsicheres Auge und wurde erneut Schützenkönigin. Sie verwies Karin Brandt und Heidrun Schubert auf die Plätze, während Voigtsberger Peter Stecher und Roland Kleetz hinter sich sah.

Was die Schützen aus der Muldestadt freut, ist nicht allein die Zahl der Sportler, die für das Königsschießen mit KK-Gewehr auf die in 50 Meter Entfernung befindliche Scheibe gemeldet hatten. "Wir haben endlich wieder einen Jugend-Wettbewerb zustande bekommen", bestätigt Libehna-Vorstandsmitglied Roland Kleetz. Jung-Schützenkönig wurde Sandra Koppehel. Ihr folgten auf den Plätzen Tom Dittrich und Alexander Hürthe. "Es geht vorwärts", waren sich die Raguhner einig und bezogen das nicht allein auf die sportliche Seite des Schützenfestes, das mit Mario Knabe noch einen Volksschützenkönig sah.

Das Fest am Rande der Stadt wird zunehmend wieder zu einem für die ganze Familie - ganz egal, ob dort das Hobby Schießsport gelebt wird oder nicht. Denn die Muldestädter spicken ihr Programm zum Jahreshöhepunkt mit dem einen oder anderen Leckerbissen. Seit Jahr und Tag hoch im Kurs steht das Sangesduo Marco & Sally, gefragt sind außerdem die Einlagen von Ulknudel Erna Kowalski.

"Für Jung und Alt etwas", glauben die Schützenbrüder, die längst nicht mehr allein feiern. Zu ihnen gesellten sich schon beim traditionellen Zug durch die Stadt zum Schützengelände die Feuerwehr, Raguhner Handballer und Karnevalisten. Die bunte Karawane, die wirklich nicht mehr das überschaubare Fähnlein einer Hand voll Aufrechter ist, wurde vervollständigt durch Schützen aus Bitterfeld, Greppin, Dessau und Wörlitz. In den Zug reihten sich außerdem die Trachtengruppe aus Salzfurtkapelle und der Priorauer Heimatverein ein. Vom Klubhaus aus setzten sich Schützen und Freunde in Bewegung. Für Aufsehen sorgten sie allerdings auch schon vorher. Und das nicht einmal in Raguhn selbst. "Wir holen jedes Mal die Schützenkönige des Vorjahres ab", erklärt Roland Kleetz.

Beide Alt-Majestäten sind allerdings nicht in Raguhn zu Hause. Not musste erfinderisch machen. Marschieren über Kilometer war einfach nicht in Frage gekommen. In Seelmanns Heimat Retzau traf man sich, die Traditionsschützen um Gerd Mieske hoben zum ersten Böllerschuss an, dann wurde der am alten Belarus-Traktor hängende Faschingswagen bestiegen. "Hatten wir auch noch nicht", tönten die Schützen und ließen sich mit lautem Hallo kutschieren. Neugierige am Straßenrand applaudierten und zollten den Majestäten bei einer ihrer letzten Amtshandlungen Respekt. Am Sonntag hatten sie zum Finale die Königskette weiterzureichen. Seelmann an Voigtsberger. Und Petra Bergholz? Die lachte und behält den Schmuck für ein weiteres Jahr.