Anhalt-Bitterfeld Anhalt-Bitterfeld: Kegel fallen wie beim Bowling
BITTERFELD/KÖTHEN/MZ. - Bier, Sekt, Wein, Whisky-Cola - es war erstaunlich, was sich die zehn Schülerinnen und Schüler des Berufsschulzentrums Bitterfeld da am Donnerstag in der Gaststätte des Flugsportvereins Köthen genehmigten, und das auch noch im Unterricht innerhalb ihrer Verkehrssicherheitswoche. Sie sollten an diesem wahrlich außergewöhnlichen Unterrichtstag den Einfluss von Alkohol auf ihr Fahrverhalten testen. Dazu hatten Verkehrssicherheitstrainer des ADAC Niedersachsen / Sachsen-Anhalt auf dem Rollfeld einen Parcour aus Verkehrskegeln aufgebaut und Rüdiger Galander von der Freiwilligen Feuerwehr Köthen hatte mit einem Kameraden eine rutschige Nassstrecke präpariert.
0,3 bis 0,5 Promille sollten sich die Lehrlinge antrinken, ein Blutalkoholgehalt, bei dem der Volksmund meint, er sei im Straßenverkehr durchaus noch zulässig. Dem sei nicht so, machte ADAC-Fahrsicherheitstrainer Bernd Tiemann deutlich. Bemerkt die Polizei bei einem Kraftfahrer Ausfallerscheinungen wie Schlangenlinien oder verzögerte Reaktion, so werde er auch bei solchen Alkoholwerten schon bestraft. Und für Fahranfänger wie die Berufsschüler gelte ohnehin die Null-Promille-Grenze.
"Ich weiß gar nicht, wie viel ich trinken muss, um auf 0,5 Promille zu kommen", sagte Philipp Reinecke, Chemielaborant-Lehrling aus Kleinwanzleben. Vor dieser Frage habe er auch noch nicht gestanden, weil er nie trinke, wenn er fahren muss. Bevor sie mit Freunden zur Disko fahre, würde immer festgelegt, wer auf der Rücktour am Steuer sitzt. "Der trinkt dann nichts", erklärte die angehende Pharmakantin Vanessa Hertel aus Prosigk.
Nancy Böhme aus Pouch, die in Bitterfeld die Fachoberschule besucht, hat in der Verkehrssicherheitswoche erfahren, dass ein halber Liter Bier 0,1 Promille ausmacht, "aber das kommt auf die Körpergröße an", schränkte sie ein.
"Ich fühle mich jetzt schon so, als hätte ich 0,5 Promille, und das nach zwei Glas Sekt!", sagte Nicole Kühne aus Zscherndorf, bevor sie ins Röhrchen pustete. Sie staunte nicht schlecht, als der Alkotester dann "nur" 0,35 anzeigte. "In diesem Zustand würde ich kein Auto fahren", stellte Philipp Reinecke fest, der nach zwei Whisky-Cola 0,24 Promille Alkohol im Blut hatte.
Getränke und Blutalkoholgehalt sowie Fahrfehler vor und nach dem Alkoholkonsum wurden protokolliert. Natürlich könne man solch einen Test auch mit Rauschbrillen machen, erklärte ADAC-Pressesprecherin Christine Rettig. Die würden aber nur eine alkoholbedingte Ausfallerscheinung - den Tunnelblick - simulieren. Der Test auf dem Köthener Flugplatz sei für die Teilnehmer viel beeindruckender, zumal Alkohol bei jedem unterschiedlich wirke. "Die Schlussfolgerung für die Teilnehmer soll ja sein: Kein Alkohol, wenn ich fahren möchte", äußerte die Pressesprecherin.
Zu dieser Einschätzung kamen auch Nicole Kühne und ihre Freundin Vanessa Hertel. Hatte die eine in nüchternem Zustand sechs, die andere vier Kegel umgefahren, mussten nach dem "Gelage" bei Nicole 21 und bei Vanessa zehn Kegel dran glauben. Allen war nach dem Test klar: Heute setzt sich keiner mehr ans Steuer. Drei Tage lang hatten die Fahrsicherheitstrainer des ADAC das Fahrverhalten von jeweils zehn Berufsschülern auf dem Rollfeld getestet. Wie Betreuerin Monika Brümmer informierte, arbeitet das Bitterfelder Berufsschulzentrum "August von Parseval" seit Jahren in der zur Berufsausbildung gehörenden Verkehrssicherheitswoche mit dem ADAC zusammen. Sie selbst habe beim ADAC einen Kurs für Fahrsicherheitsausbilder absolviert. In jener Woche würden Pkw von Berufsschülern in der Kfz-Werkstatt der Berufsschule überprüft, bevor sie damit an einem Fahrsicherheitstraining teilnehmen. Ein weiterer Bestandteil sei die Demonstration des richtigen Verhaltens bei einem Unfall, gemeinsam mit DRK, Polizei und Feuerwehr.