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Abwasser Abwasser: Jedem stinkt's und nichts passiert

Von Markus Wagner 08.10.2003, 17:03

Wittenberg/MZ. - Das allerdings weiß nicht nur Heinze. Auch beim Entwässerungsbetrieb der Stadt ist die zum Himmel stinkende Angelegenheit seit Jahren bekannt. "Die Anwohner haben unser vollstes Verständnis", sagt dessen Betriebsleiter Hans-Joachim Herrmann. Und auch der Vorsitzende des Abwasserzweckverbandes "Südfläming", dem die andere Hälfte der Station gehört, Steffen Leidecker, weiß sofort, wovon die Rede ist: "Das ist eine schlimme Sache", sagt Leidecker.

Soweit, so gut. Doch obwohl sich alle Beteiligten einig sind, dass der Zustand so nicht zu halten ist, hat sich bislang nur wenig verändert. "Wir haben alle technischen Möglichkeiten ausgenutzt", sagt Hartmut Nitsche vom Entwässerungsbetrieb. Der AZV gibt inzwischen Chemikalien bei, an der Station ist eine Abluftwäsche installiert. Geholfen, sagt Klaus-Dieter Heinze, hat das bisher nicht viel. Am Dienstag Abend habe es bis zur Dresdner Straße gestunken - immerhin einige hundert Meter entfernt von seinem Haus, hinter dem die Station gebaut worden ist. Das weiß auch Nitsche. "Die Konzentrationen sind zwar gesunken, gelöst ist das Problem damit aber nicht."

Geht so auch gar nicht. "Wir doktern nur an den Symptomen herum", gesteht Nitsche. Die Angelegenheit bedarf einer grundsätzlichen Lösung. Man habe zwar schon mit den vermutlichen Verursachern - Einleiter in Zahna - gesprochen, getan hat sich bisher allerdings nichts. Und so fault der Klärschlamm in den Rohren weiter und gast Schwefelwasserstoff aus, der schon in kleinsten Mengen erbärmlich stinkt. Für den AZV-Vorsitzende Leidecker jedenfalls steht das Problem "ganz oben auf der Prioritätenliste". Auch, weil das Gas die Betonkanäle angreift.

Das hilft Heinze wenig - genauso wenig wie der Gang zum Umweltamt des Landkreises. Das kann zwar bei zu viel Lärm einschreiten oder wenn Abwasser illegal in Bäche geleitet wird. Für die Gerüche jedoch, sagt Leiter Jörg Hartmann, sei man nicht zuständig. "Wir können den Entwässerungsbetrieb nur bitten, sich darum zu kümmern."

Dort sieht man das ganz anders. "Wir haben das Regierungspräsidium bereits eingeschaltet, passiert ist herzlich wenig", sagt Betriebsleiter Herrmann. Dabei "hätten wir die Umweltbehörde gern als Verstärkung des Drucks auf unserer Seite." So aber wird es Heinzes noch eine ganze Weile stinken - und nicht nur die Gerüche.