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30 Kilo Karbid und ein Fahrrad für das erste Bild

Von Christine Krüger 11.05.2006, 16:06

Bitterfeld/MZ. - Köppe, geboren vor 80 Jahren in Bad Schmiedeberg, Ehrenbürger von Tornau, der Maler und Holzbildhauer aus der Heide, erzählt Episoden wie die mit leuchtenden Augen, mit Esprit und Witz. Köppe - ein Mann wie ein Baum, groß, die

Gestalt kräftig, die Mähne weiß, der Händedruck gewaltig. "Urgestein der Dübener Heide" nennt ihn Lothar Herbst in seiner Laudatio. Köppe stellt derzeit in der Galerie am Ratswall in Bitterfeld aus. "Impressionen" heißt die Exposition und die eher zarten Aquarelle vermitteln Eindrücke aus der Heide. Doch nicht nur Beschauliches zeigt der Maler. "Meine Themen sind auch politische Themen", sagt er und erklärt das Bild "Mutter Erde". Mir dieser Arbeit warnt er vor der Zerstörung der Erde durch den Menschen, der zu immer mehr Ausbeutung der Natur strebt. "Ein überdimensionales Ozonloch macht diese Mutter Erde kaputt." Auch andere Bilder widmen sich dem Thema.

Zu sehen sind aber auch seine bekannten Bitterfelder Fraktale, Bilder aus einer vor 15 Jahren entwickelten speziellen Farbe Cekarol, die ohne Pinsel mit einem von Köppe eigens dafür entwickelten Verfahren auf Holz oder Leinwand aufgetragen wird.

Auf Holzskulpturen hat er diesmal verzichtet, obwohl er von sich sagt: "Das Holz ist die zweite Seele in mir." Und an manchen Tagen, erzählt er, unterbricht er die Arbeit an der Staffelei, einfach, weil es ihn hinaus drängt - zum Holz, zur Kettensäge. Nach ein paar Stunden Arbeit mit der wuchtigen Holzbearbeitungsgerät hat er dann wieder die Ruhe, die seine Malerei zum Entstehen braucht. Der bekannte Kettensäge-Wettbewerb, der jährlich in der Heide stattfindet, geht auf eine Idee von Köppe zurück.

Mit Holz kennt sich Jürgen Pisarz auch aus. Der Bitterfelder Unternehmer hat das Arbeiten mit Holz zu seinem Freizeithobby gemacht. "Natürlich interessiere ich mich deshalb für die Holzskulpturen", sagt er. "Köppes sind allerdings naturbezogener als meine, auch kräftiger." Doch wenn er ehrlich ist: Sein Herz schlage für die Aquarelle, sagt er. In seinem Büro hänge auch eins von Köppe, den er persönlich über seinen Vater kennt.

"Ganz großartig" findet auch Erhard Gräfe die Bilder. "Sie verbreiten eine eigene Stimmung", erklärt er. "Das ist schon etwas Außergewöhnliches." Überhaupt gehe er sehr gern in die Galerie am Ratswall. "Weil ich gern zu besonderen Ereignissen gehe. Und in diesen Räumen findet ja immer was Tolles statt." Das trifft auch die Intention von Christa Rötting. "Es ist eine schöne Schau - auf jeden Fall. Denn was man sieht, ist echt das, was als Impression im Moment auf ihn wirkte." Und dem Galerie-Team bescheinigt sie "einen Pluspunkt, dass einer aus nächster Nähe ausstellt".

Über 50 Personalausstellungen hat Wolfgang Köppe bereits gestaltet. Bei weitem nicht nur in Deutschland. Seine Bilder und Skulpturen waren auch in Belgien,England, dem früheren Jugoslawien, der Slowakei zu sehen. Bis zum 2. Juni nun kann man einen Teil davon in der Bitterfelder Galerie am Ratswall betrachten.