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Wenn die Sportgaststätte zum Nähstübchen wird

Von Susanne Weihmann 06.12.2005, 20:22

Latdorf/MZ. - Begonnen wird gemütlich bei einer Tasse Kaffee. Es werden Neuigkeiten ausgetauscht. Das schweißt genauso zusammen wie die Ausflüge, die zusammen mit der Sportgruppe der Volkssolidarität unternommen werden.

Je nach Jahreszeit bastelt die Gruppe diverse Geschenk- und Dekorationsartikel. Nur im Sommer legen die Frauen eine Pause ein. Jetzt, in der Vorweihnachtszeit ist natürlich immer besonders viel zu tun: Zuletzt wurden Tischgestecke und Weihnachtskarten gebastelt.

Und dann bringt jeder noch seine aktuellen Handarbeiten von zu Hause mit. Viele Strümpfe sind dabei. "Die sind heute wieder en vogue", hat Marlies Schütze nicht nur bei ihren Enkeln beobachtet. Nach der Wende verschwand Strickmode vom Markt, so Frau Schütze. "Inzwischen wird sie wieder für sehr viel Geld im Laden angeboten. Wir stellen es selbst und viel günstiger her." Hier hilft man sich, tauscht Muster aus und spornt sich gegenseitig an. "Und wenn man selber strickt, kann man zwischendurch immer wieder auftrennen", nennt Frau Schütze die Vorzüge echter Handarbeit.

Bei diesen Temperaturen trägt die rüstige Rentnerin selbstverständlich Mütze, Strickweste und -jacke aus eigener Fertigung. Früher, als kleines Mädchen, habe sie Handarbeit überhaupt nicht gemocht: "Wer konnte damals ahnen, dass es mal zu meinem liebsten Hobby wird?", so Frau Schütze schmunzelnd.

Mit dabei ist auch immer Gitta Berger, die seit 1999 die Ortsgruppe der Volkssolidarität Latdorf leitet. Damals gab es weder eine Sport- noch eine Handarbeitsgruppe im Ort. "Ich habe gedacht, wenn es woanders möglich ist, warum nicht auch hier", so Frau Berger. "Ich habe mich dann umgehört und gemerkt, dass das Interesse da ist." Vor sechs Jahren wurde dann die Handarbeitsgruppe gegründet. Anfangs brachte nur jede Frau ihr Handarbeitszeug mit.

"Die Gruppe ist dann gewachsen - zur Kreativ- und Handarbeitsgruppe", erklärt Annelie Urban, mit 57 Jahren die Jüngste im Bunde. Angeleitet von Mitarbeitern der Kreisvolkshochschule begannen die Frauen mit Servietten falten. Längst brauchen sie keine Unterstützung mehr. Die Vorsitzende, Helga Wegmann, hat als ehemalige Kunstlehrerin die Ideen und das Geschick, alle Tricks zu zeigen.