Tierheim Tierheim Plömnitz Bernburg plant Quarantänestation für Hunde und Katzen: Zuspruch beim Tag der offenen Tür

Plömnitz - Die feuchte Nase der schwarzfelligen Mona sucht mit Bestimmtheit die Wange ihres Herrchens Gerhard Höhndorf. Vor mehr als einem Jahr - es war der August 2018 - stieß der Mann aus Könnern mit seiner Frau im Tierheim Plömnitz auf die inzwischen zehnjährige Mona und ihre gleichaltrige Hundeschwester Lisa.
Zum Tag der offenen Tür am Donnerstag kommen die stolzen Besitzer an den Ort zurück, an dem sie ein Stück Glück gefunden haben. Die zwei älteren Hundedamen passen gut zu dem Ehepaar aus Könnern.
„Wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten“, sagt der 67-jährige Gerhard Höhndorf lachend und streichelt seinem tierischen Duo zart über den Kopf, das zuvor zwei Jahre im Tierheim verbrachte.
Gerhard Höhndorf und seine Frau fanden in Plömnitz zwei Hündinnen
Mona und Lisa haben ein glückliches Zuhause gefunden, nachdem ihr einstiger Besitzer verstorben war und sie aufgrund nachlässiger Fürsorge abgemagert nach Plömnitz kamen.
Einen älteren tierischen Gefährten an ihrer Seite sucht gegenwärtig auch Brigitte Enge. „Lieber eine Stubenkatze als ein Freigänger und einen Kater, weil ich bisher immer Kater hatte“, äußert sie gegenüber Tierheim-Mitarbeiterin Kristin Kunze einen Wunsch.
Für Brigitte Enge bietet sich in Plömnitz eine größere Auswahl. Denn momentan werden im Tierheim von Helfern des Tierschutzvereins Bernburg und Umgebung rund 100 Samtpfoten versorgt. Kristin Kunze weiß als eine von drei Vollzeitbeschäftigten aus Erfahrung aber auch, dass die Vermittlung älterer Tiere schlichtweg schwieriger ist.
Viele Besucher sind an jungen Katzen oder Hunden interessiert
Grundsätzlich gelte die Maxime: Je kleiner, je jünger und je niedlicher, umso besser die Vermittlungschance. Tierheimchef Volker Liebchen spricht von einem Trend, der insbesondere bei Hunden zu bemerken ist. Der Trend ziele auf kleinere Hunde.
Hinzu komme, dass die Nachfrage nach jungen Vierbeinern recht groß sei. Von den derzeit 35 Hunden in Zwingern und Ausläufen seien etwa 30 älteren Jahrgangs, schätzt er.
Volker Liebchen führt zu einem Zwinger im Grünen. Dort wartet eine vierjährige Hundedame seit einem halben Jahr auf einen Besitzer. Das einstige Herrchen ist verstorben - so gelangte der Riesenschnauzer nach Plömnitz.
Volker Liebchen berichtet von aufwändigen Einsätzen und Bereitschaftsdiensten
Privatleute können die Tiere nicht einfach in Plömnitz abgeben. Mindestens eine Behörde ist zwischengeschaltet - entweder das Ordnungs- oder das Veterinäramt. Und sie rufen die Mitarbeiter und Mitglieder des Tierschutzvereines in Ausnahmefällen mehrmals täglich.
Das verlangt viel Engagement und Ambition für die Arbeit als Tierpfleger, erzählt Volker Liebchen und verweist auf den 24-stündigen Bereitschaftsdienst. „Wir hätten gern, dass jede Woche Tierärzte in Bernburg Bereitschaftsdienst haben“, sagt der Leiter des Tierheims, der gleichzeitig Vereinsvorsitzender ist.
So aber müssten die Mitarbeiter mitunter bis nach Staßfurt oder sogar Egeln fahren. Das seien gute 40 Kilometer. Rund eine Dreiviertelstunde müsste ein verletztes oder krankes Tier dann auf ärztliche Hilfe warten - oder es stirbt.
Verein plant, ein Gebäude zu einer Quarantänestation für Hunde und Katzen umzubauen
Liebchen und sein Team wissen, dass sie per se nichts an den Rahmenbedingungen ändern, aber aufmerksam wollen sie auf die schwierigen Umstände machen. Dafür aber kümmert sich der Verein um verbesserte Bedingungen im Kranken- oder Untersuchungsfall.
Zu den künftigen Projekten zählt der Ausbau eines bislang ungenutzten Hauses auf dem Gelände zu einer modernen Quarantänestation - jeweils für Katzen und Hunde. „Das hilft uns, Ansteckungsgefahren zu verhindern“, begründet Liebchen die geplante Investition, für die unter anderem Fördermittel vom Landestierschutzverband eingeworben werden sollen. Sowohl die Höhe der Kosten als auch ein möglicher Baubeginn stehen allerdings noch nicht fest.
Für Heike Gorkow aus Gnölbzig lobt das Tierheim und die dortige Fürsorge
Für Heike Gorkow aus Gnölbzig lobt das Tierheim und die dortige Fürsorge
Was für Besucherin Heike Gorkow aus Gnölbzig jedoch feststeht: Falls ihr treuer Gefährte Scotty (12) - ein Hundemix aus Lhaso Apso und Yorkshire-Terrier - einmal nicht mehr an ihrer Seite sein wird, ist das Plömnitzer Tierheim erster Anlaufpunkt für einen neuen Vierbeiner. „Aus Interesse würde ich am liebsten jetzt schon gleich mehrere mitnehmen“, zeigt sich die 50-Jährige ganz angetan von Tieren, dem Gelände und der Tierfürsorge.
Selbiges begeistert auch Doreen Uhlemann und Tochter Celine aus Könnern. Die Entscheidung, ob ihr Kater Woods einen Spielgefährten bekommen soll, lockte sie nach Plömnitz. Menschen, die Tieren aus Tierheimen skeptisch gegenüber stehen, entgegnet die 19-jährige Celine: „Jedes der Tiere hier ist es wert, ein Zuhause zu bekommen. Da muss niemand extra zum Züchter.“
(mz)
