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Stimmung beim Damenkränzchen

Von Heiko Wigrim 28.01.2008, 16:53

Gerbitz/MZ. - "Zu Hause habe ich meine Katze und meinen Hund. Aber trotzdem würde mir die Decke auf den Kopf fallen, wenn ich nicht mal raus unter die Leute käme." Und darum kommt Hanna Funke gern zum Damenkränzchen in die Gerbitzer Gemeindeverwaltung.

Schon seit einigen Jahren hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Arbeitsförderung Bernburg die Seniorenbetreuung organisiert. Die übernehmen derzeit Ingrid Schmidt und Gabriele Schönfeld. Beide werden über die so genannte Mehraufwandsentschädigung beschäftigt - im Volksmund als Ein-Euro-Job bekannt. "Wir haben endlich wieder eine sinnvolle Beschäftigung gefunden", freut sich Ingrid Schmidt über die Anstellung in der Gemeinde. "Dann hatten wir auch Glück, dass die Maßnahme über ein ganzes Jahr läuft." Dies, ergänzt ihre Kollegin, sei auch sinnvoll, denn über ein ganzes Jahr lang sei es möglich, eine kontinuierliche Arbeit mit den und für die Senioren zu leisten. "Sie brauchen sich dann auch nicht so schnell wieder an neue Gesichter umzugewöhnen."

An fehlenden Eigenmitteln der Gemeinde wäre das Vorhaben aber fast gescheitert. "Unser Gemeindehaushalt gab die nötigen 600 Euro einfach nicht her", erinnert sich Bürgermeister Eberhard Rettig. Aber ihm kam eine rettende Idee, die auch von den Mitgliedern des Gemeinderates unterstützt wurde: "Wir haben uns bereit erklärt, für eine gewisse Zeit auf unsere Diäten zu verzichten." Als das Geld dann schließlich zusammen war, konnte die Seniorenbetreuungsmaßnahme beantragt werden.

Immer dienstags, mittwochs und donnerstags zwischen 14 und 17 Uhr herrscht im Gemeindesaal ein lustiges Stimmengewirr. "Am liebsten komme ich natürlich her, um mit den anderen zu spielen - Rummikub beispielsweise", erzählt Hanna Funke und häkelt dabei an einem Osterstrauch-Kätzchen. Für jedes benötigt sie ungefähr eine halbe Stunde. "20 bis 30 Kätzchen sollen es schon werden", so die Seniorin. Mit dem Schmuckwerk wird dann die ganze Familie versorgt.

Überhaupt ist derzeit Ostern das große Thema. Marianne Lindemann hat bereits ein Küken fertig und häkelt gerade an einem aus flauschigem Material. Bärbel Bischoff hat sich Osterhasen als Motiv ausgewählt. Etwas aus dem Rahmen fällt Waltraut Rusch. Sie bestickt ein Deckchen mit Weihnachtlichen Motiven. "Die habe ich von meinem Enkel geschenkt bekommen und nun will ich das Weihnachtsdeckchen fertig machen, um es mir dann fürs Jahresende hinzulegen."

Gestrickt und gebastelt wird aber nicht nur für den Eigenbedarf: Um junge Sportler aus dem Ort zu unterstützen, haben die Frauen ihre gestrickten und gehäkelten Sachen bei einem Basar verkauft, und somit einen Teil der Startgebühren für einen Ausscheid in Nienburg aufgebracht. Für Kindergartenkinder wurden Plätzchen gebacken, Süßigkeiten in selbstgenähte Beutelchen gepackt und auch Sachen für die Puppen gestrickt.

Noch bis Mai läuft der Ein-Euro-Job für Gabriele Schönfeld und Ingrid Schmidt. Bis dahin werden beide noch viele Treffen mit den Gerbitzer Damen ausrichten können.