Hochwasserschutz in Bernburg Hochwasserschutz in Bernburg: Stahlbeton-Ring um die Talstadt

Bernburg - Ruhig fließt das Wasser der Saale derzeit in ihrem Bett. Das war vor genau drei Jahren ganz anders: Damals trat der Fluss über die Ufer und überflutete die Bernburger Talstadt. Viel ist seither darüber geredet worden, wie der Stadtteil künftig besser vor einem Hochwasser geschützt werden kann.
Nun haben Bernburgs Oberbürgermeister Henry Schütze (parteilos) und Mitarbeiter des Ingenieurbüros Muting aus Magdeburg interessierten Einwohnern im Alten Rathaus ein Hochwasserschutzkonzept vorgestellt, das die Verwaltung zusammen mit Experten des Ingenieurbüros und des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt erarbeitet hat. Dieses sieht vor, einen „Ring“ um die Talstadt zu legen. Ein Teil davon soll die alte Stadtmauer sein, deren Sanierung bereits begonnen hat. Denn wie sich vor drei Jahren gezeigt hat, war das Bauwerk nicht nur undicht, sondern hielt dem Druck der Wassermassen nicht stand. Die Stadtmauer wird nicht nur erneuert, sondern auch durch eine Spundwand verstärkt.
Das vorgestellte Konzept der Stadt sieht nun vor, neben der Sanierung der Stadtmauer, zum einen stationäre Hochwasserschutzmauern zu errichten. Dazu soll nach Informationen von Lutz Vogel, Projektleiter vom Ingenieurbüro Muting, eine Spundwand sechs bis acht Meter tief in die Erde eingelassen und darüber eine 1,50 bis 1,80 Meter hohe Stahlbetonwand errichtet werden.
Das müsse jedoch keine glatte, graue Wand sein, betonte Vogel. Man könne sie äußerlich noch gestalten, etwa in Sandstein-Optik, „so dass sie ins Stadtbild passt“. Zum Zweiten sollen mobile Hochwasserschutzwände errichtet werden, die nur bei Überschwemmungen „ausgefahren“ werden. In einem ersten Bauabschnitt soll ein Lückenschluss von der Stadtmauer am Kurpark entlang der Solbadstraße bis zur Fährgasse erfolgen, ein weiterer Lückenschluss ist an der Breiten Straße geplant. Das Vorhaben soll in diesem und im nächsten Jahr realisiert werden.
Altenburger Chaussee auf Pfeiler?
In einem zweiten Bauabschnitt sollen von 2017 bis 2018 neue Mauern und mobile Durchlässe im Bereich Gutenbergstraße und Platz der Jugend bis zum Bahndamm gebaut werden. Schließlich ist von 2018 bis 2019 entlang der Straße Am Werder (zwischen Bahndamm und Annenbrücke) geplant, neue stationäre Schutzmauern zu errichten sowie mobile Durchlässe zu bauen.
Das alles ist aber nur ein Konzept ohne Feinabstimmung, machten die Beteiligten deutlich. Das gilt auch für den sogenannten „Eifler-Damm“ an der Altenburger Chaussee, in dem ein Düker - eine Art Rohr unter der Straße - mit drei Durchlässen eingebaut ist. Da die Durchlässe zu klein sind, entsteht bei Hochwasser ein Rückstau im alten Saale-Bett.
Um diesen künftig zu verhindern, soll die Straße entweder tiefer gelegt oder erhöht und auf Pfeiler gebaut werden. Welche Variante schließlich realisiert wird, müsse noch entschieden werden. Diese Antwort reichte einem Anwohner in der Versammlung nicht. Er würde das Problem lieber heute als morgen gelöst sehen.
Eine weitere Frage beschäftigte sich mit dem alten Saale-Bett: Eine Erweiterung dieser Flutmulde in Breite und Tiefe nannte Projektleiter Lutz Vogel „nicht zielführend“. Außerdem seien die Kosten enorm. „Man müsste einen zweistelligen Millionenbetrag investieren“, sagte er. Der Effekt indes wäre minimal. Überdies werde das Thema Flutmulde in einer weiteren Einwohnerversammlung im Spätherbst eine Rolle spielen, kündigte Henry Schütze an.
Für die aktuellen Bauvorhaben zum vorbeugenden Hochwasserschutz - den Ring um die Talstadt - mit Gesamtkosten in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro rechnet die Stadtverwaltung mit einer Förderung durch das Land von 80 Prozent. Da die Anträge dafür bis zum 30. Juni einzureichen sind, muss der Stadtrat schnellstmöglich eine Entscheidung fällen.
Weil die Zeit drängt, haben sich die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschuss sowie Bau- und Sanierungsausschuss gleich im Anschluss zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen. Das Konzept stieß dabei auf große Zustimmung. „Das ist das erste Mal, dass die Pläne so konkret werden: Wir sollten das schnellstmöglich auf den Weg bringen“, sagte Jürgen Badzinski (BBG).
Auch der Vorsitzende des Bauausschusses, Hartmut Zellmer (CDU), ist von den Plänen überzeugt: „Es ist ein rundes Konzept.“ Nur Erich Buhmann (Grüne) warnte, den Betroffenen vorzugaukeln, dass sie künftig hundertprozentig vor Hochwasser geschützt seien. Das jedoch, so entgegneten sowohl Zellmer als auch Vertreter der Stadtverwaltung, habe auch niemand behauptet. Letztendlich aber haben alle Mitglieder beider Ausschüsse den Beschlussvorschlag einstimmig gebilligt. Das letzte Wort hat nun der Stadtrat, der am Donnerstag, 23. Juni, tagt. (mz)