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Hochwasser  Hochwasser : Mauer soll Talstadt schützen

Von Susanne Schlaikier 03.05.2016, 19:57

Bernburg - Vor fast drei Jahren, im Juni 2013, trat die Saale über die Ufer und überschwemmte große Teile der Bernburger Talstadt. Drei Jahre, in denen viele Schäden beseitigt wurden. Und drei Jahre, in denen Verwaltung und Experten in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt ein Konzept gegen eine weitere Überschwemmung erarbeitet haben.

Aber auch Studenten der Hochschule Anhalt haben sich im Rahmen eines Seminars Gedanken gemacht, wie die Talstadt vor künftigen Hochwassern geschützt werden kann.

Anfang Juni 2013 trat die Saale in Bernburg über die Ufer und überschwemmte große Teile der Talstadt. Am 6. Juni hatte die Saale am Unterpegel der Bernburger Schleuse den höchsten dort jemals gemessenen Wasserstand (6,50 Meter) erreicht. Etwa neun Tage später entspannte sich die Lage langsam wieder.

Bilanz nach dem Hochwasser: Fast zehn Millionen Euro müssen für Reparaturen und Sanierungen sowie Neuanschaffungen aufgebracht werden, um kommunale Einrichtungen in der Stadt Bernburg richtig in Gang zu bringen.

Dabei haben sich die Studenten nichts Revolutionäres ausgedacht. Vielmehr haben sie geschaut, welche Schutz-Maßnahmen es in der Vergangenheit gegeben hat. Das Ergebnis: Würde man die Stadtmauer in ihrer ursprünglichen Ausdehnung (mit leichten Abweichungen, wo inzwischen Gebäude stehen) wieder aufbauen und eine Flutrinne ausheben, wäre die Bernburger Talstadt bei einem erneuten Hochwasser gut geschützt.

„Die Leute im Mittelalter haben sich schon etwas dabei gedacht“, sagt Heinrich Haass, Professor im Fach Städtebau, der die Arbeiten betreut hat. Denn eine Stadtmauer diente nicht nur zum Schutz vor Feinden, sondern auch vor Naturgewalten.

Natur- oder Betonmauer reicht aus

Wenn die Mauer wieder in ihren ursprünglichen Grenzen errichtet würde, so Haass, „wäre das ein guter Schutz“. Dabei müsste nicht einmal Original-Material verwendet werden. Eine Natur- oder Betonmauer von 1,50 Meter Höhe reicht seiner Meinung nach aus.

Dazu könnte man die Mauer auflockern mit Bänken, einer Beleuchtung und einer Begrünung - und vielleicht sogar für Fußgänger begehbar bauen. „Es gibt so viele Möglichkeiten, die man ins Stadtbild integrieren kann“, meint Haass.

Flutrinne als Nebenarm der Saale

Obendrein müsste eine Flutrinne gebaut bzw. die Reste einer vorhanden Flutrinne erweitert werden. Die haben die Studenten unter anderem im Bereich der Krumbholzallee gefunden: rund 300 Meter lang, 1,5 Meter tief und etwa drei Meter breit. Sie sei allerdings verlandet und müsste als erstes einmal ausgebaggert werden, sagt Haass.

Mit einer solchen Flutrinne soll das steigende Wasser vom Zentrum der Talstadt und damit auch von der Stadtmauer fern gehalten werden. „Es entsteht sozusagen ein Nebenarm der Saale, der einen großen Teil der Wassermassen um Bernburg leitet und dann wieder in die Saale mündet“, heißt es in der studentischen Arbeit. Eine solche Rinne müsste demnach 1,80 bis 2 Meter tief und 20 Meter breit sein.

Mehrstelliger Millionenbetrag wäre notwendig

Würden dann solche Wassermassen wie 2013 fließen, bliebe die Talstadt verschont. An Straßen, so heißt es weiter, müsste sie durch mobile Elemente wie Tore verschlossen werden. Sollte das Volumen der Flutrinne bei einem Hochwasser immer noch nicht ausreichen, um die Wassermassen umzuleiten, würde die wieder errichtete Stadtmauer die Talstadt schützen.

Die Kosten für ein solches Bauwerk haben in der Arbeit der Studenten allerdings keine Rolle gespielt. Heinrich Haass schätzt aber, dass ein mehrstelliger Millionenbetrag notwendig sei. Allerdings, so fügt er hinzu, wäre das dann ein dauerhafter Schutz - und nicht nur vorübergehend.

Die Stadtverwaltung kannte die Studentenarbeit übrigens bis Montag nicht. „Wir wurden leider nicht einbezogen“, teilte Pressesprecher Wolfgang Knopf der MZ mit. Eine erste Durchsicht ergab, dass zum Beispiel Werte für den Ab- und Zufluss fehlten, die beim Hochwasserschutz wichtig seien.

Außerdem betrachte die Arbeit nur Gebäude innerhalb der früheren Stadtmauer als schützenswert. Man werde deshalb am Plan festhalten, das mit dem Land abgestimmte Konzept in den Ausschüssen zu beraten, dann im Stadtrat zu beschließen und zum 30. Juni zur Förderung einzureichen. (mz)