Bernburg Bernburg: Treffpunkt Kultur
BERNBURG/MZ. - Mit Till Eulenspiegel verscherzt man es sich besser nicht. Das wissen jetzt auch die drei Schneiderknechte, die am Markt auf ihrem Fensterladen über den Narren spotteten und lachten. Denn sie erlebten wenig später ihr blaues Wunder, als der Fensterladen krachend unter ihnen zusammen brachen und sie hart auf dem Boden landeten. "Seht, seht! Der Wind weht drei Schneider vom Fenster!", rief Eulenspiegel so laut, dass die Leute herbei gelaufen kamen und loslachten.
So soll es sich vor einigen hundert Jahren auf dem Bernburger Marktplatz zugetragen haben - und es wiederholte sich am Freitagnachmittag zum ersten Kultur Markt Bernburg in der Talstadt, den Bernburger Bürger zusammen mit Studenten der Hochschule organisiert hatten. Einer der Programmpunkte des Festes, mit dem die Studienanfänger in der Saalestadt begrüßt werden sollten, war das Straßentheater, bei dem das Eulenspiegel-Stück gezeigt wurde.
Natürlich hatte nicht der Wind die Schneiderknechte vom Fensterladen (hier ein Holztisch) geweht. Vielmehr hatte Till Eulenspiegel die Pfosten angesägt und darauf gewartet, dass sich - wie so oft - die Schweine des Schneiders daran rieben. Was folgte, ist bekannt. "Und die Moral von der Geschicht': Till Eulenspiegel verarscht man nicht", rief der Narr - trefflich gespielt von Julian Eilenberger - dem Publikum noch zu. Eilenberger selbst hatte ein Stück aus der bisher wenig bekannten 47. Historie "Wie der Wind drei Schneidergesellen fortwehte" gemacht und dabei den Eulenspiegel-Autor Hermann Bote gleich mit eingebunden, dargestellt von Noah Buhmann. Auch ganze 24 Sprichwörter, die ihren Ursprung im Mittelalter haben, hat Eilenberger in das Stück eingebaut. Der 27-jährige Darsteller des Schalksnarren sammelte schon während der Schulzeit Erfahrungen in der Theatergruppe, und arbeitet gegenwärtig als Klavierlehrer und, wen wundert's, als Märchenerzähler.
Ausgegraben hat diese Eulenspiegel-Geschichte Museumsleiter Roland Wiermann während der Vorbereitung auf die Ausstellung "500 Jahre Eulenspiegel", die im Februar kommenden Jahres im Museum zu sehen sein wird. Dabei stieß er auf ein Fragment, das 1973 während der Restauration eines Buches zufällig entdeckt worden.
Geschichtlich sollte es auch bei einer Stadtführung mit Joachim Grossert weiter gehen. Allerdings wartete er vergeblich auf einen Zulauf junger Leute. Dennoch versammelte sich ein interessiertes Publikum um den Mann, der in den vergangenen Monaten mit seinen Straßenführungen anlässlich des Stadtjubiläums viele Menschen für die Geschichte der Stadt begeisterte. Eigentlich habe er Neu-Bernburgern die Stadt etwas näher bringen wollen, sagte Grossert. Aber die waren offenkundig nicht unter den Zuhörern. "Dann tun wir jetzt mal so, als wären wir alle keine Bernburger", nahm es der "Stadtführer" mit Humor. In bekannt kurzweiliger Art führte der Landeskundler die Teilnehmer vom Markt zur Marienkirche, zum Nienburger Tor und weiter zur Grenze zwischen Alt- und Neustadt. Dabei zeigte er ihnen das ehemalige Verwaltungsgebäude der Residenzstadt, vor dem sich auch 1849 der "Bernburger Bürgermord" mit 14 Toten zugetragen hat. Grossert gab einen Einblick in die Heraldik und erklärte die einzelnen Felder des Anhalt-Wappens und was davon im Bernburger Wappen übrig geblieben ist. Und er erzählte von den berühmtesten Schülern der Adolf-Diesterweg-Schule am Altstädter Kirchhof: Dem Hofmaler am herzoglichen Hof von Anhalt-Bernburg Wilhelm von Kügelgen (1802-1867) und dem "Stararchitekten der DDR" Hermann Henselmann (1905-1995).
Auf dem Markt präsentierten sich indes das Theater, die Stadtinformation, die Mitteldeutsche Zeitung, Tauchlehrer Mario Schlüter und andere mehr. Die Geschäfte am Markt sowie der Eine-Welt-Laden sorgten für Speisen und Getränke. Während sich die Studenten am Nachmittag noch rar machten, füllte sich die Talstadt am Abend zusehends mit jungen Leuten. Sie kamen ins "Hotel Wien" und ins Restaurant "Amadeus 1", um verschiedenen Live-Bands, wie "Lila Vie", "Grünfeuer" oder "Lepian" zu hören und den Auftritt des Bernburger Kabaretts "M!Pört" mitzuerleben. "Schade, dass nachmittags so wenig Leute da waren", sagte Naturschutz-Studentin Jana Schlaugat. Schließlich sollen sich die Bernburger und die Studenten auf diese Weise etwas näher kommen und die Stadt schätzen lernen. Dennoch glaubt die 20-Jährige, die an der Organisation beteiligt war, dass es eine "schöne Idee" ist. Davon ist auch Anja Skonieczny überzeugt. "Das ist ein guter Anfang", meint die 25-Jährige. Die Masterstudentin für Facility- und Immobilienmanagement findet die Mischung aus Musik, Straßentheater und Marktständen gelungen und hofft, dass sich das Fest in Bernburg etabliert.
Das ist auch der Wunsch von Erich Buhmann, dem Koordinator des Festes. Er äußerte sich zufrieden über die Premiere - die Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Vereinen sei gelungen, das Angebot am Abend ebenso. Er sieht aber noch Steigerungsmöglichkeiten.