Texte, die unter die Haut gehen
Hoym/MZ. - "Es war ganz knapp", erzählt der Suchtberater aus Quedlinburg. Zu Gast sind er und Volkmar Wittwer im Wilhelm-von-Kügelgen Saal des Schlosses Hoym.
Mitgebracht haben sie ihre Gitarren, Texte und Gedichte. "Die Berichte sind zum Teil selbst erlebt und wenn nicht, dann auf jeden Fall wahr", erklärt Dieter Sommer.
Geschrieben hat sie Axel Bethge, ebenfalls ein trockener Alkoholiker, der das Quedlinburger Kontaktcafé "Null Promille" vor 14 Jahren gründete und der mittlerweile nach Litauen ausgewandert ist. Diese Texte hat Dieter Sommer mit Musik unterlegt und ein kleines Programm daraus gemacht.
Er selbst kann genau nachvollziehen, was er den Besuchern erzählt, denn Sommer ist seit elf Jahren trocken. Der Weg dorthin war schwer, erzählt er. Doch gerade diese Erfahrungen haben ihn wohl veranlasst Sozialarbeit zu studieren, in der Quedlinburger Suchtberatungsstelle des Kreisverbandes des Arbeiter-Samariter-Bundes zu arbeiten und das Kontaktcafé "Null Promille" zu übernehmen.
"Bis zu 30 Leute täglich kommen in das Café. Trockene Alkoholiker dürfen nicht vereinsamen", berichtet er. Auch nicht die Menschen, die eine andere Sucht in den Griff bekommen haben. "Zu uns kommen auch Drogen- oder Spielsüchtige. Doch am meisten Alkoholiker. Alkoholismus wird in Deutschland als Krankheit anerkannt", weiß er. Und es sei eine schwere Krankheit, die mit der seelischen Abhängigkeit beginnt. Erst später ist auch der Körper abhängig. "Ist man trocken, so muss man etwas auf die Beine stellen, denn die Sucht bleibt ein Leben lang", mahnt er.
Und wie es passieren kann, dass man süchtig wird, wie der Tagesbeginn eines Alkoholikers aussieht, der vergeblich gegen die Sucht ankämpft, wie es zum Rückfall kommt und wie es manchmal auch mit dem Tod endet, all das bekommen die Gäste mal als Text, mal in Gedichtform zu hören. Dazwischen die Musik, die ebenfalls zum Nachdenken anregt, die gehetzt und bedrohlich, aber auch ganz ruhig, zuversichtlich oder sehnsuchtsvoll klingt.
Bei der anschließenden Diskussion gibt es viele Fragen an den Suchtberater und seinen Partner, die gern beantwortet werden. An diesem Abend bleiben zwar einige Stühle leer, doch die Gäste, die gekommen sind, zeigen sich begeistert. Von den Texten, den Gedichten, der Diskussion und von dem Mut der beiden Männer, die bis heute erfolgreich gegen ihre Sucht ankämpfen.Kommentar Seite 7