Salzlandkreis Salzlandkreis: Mit drei PS über die Gartenschau
ASCHERSLEBEN/MZ. - Erschöpft steigen sie aus den Sätteln. Aber eine Pause ist für Polizeihauptmeister Klaus Grosch, Polizeiobermeister Klaus-Ulrich Schnita und den Ordnungsamtsmitarbeiter Gerd Ritter nicht drin. Sie wissen mittlerweile genau, was nach dem Ausritt zu tun ist, führen Wendy, Luna und Tonka in die Boxen, nehmen ihnen routiniert Halfter und Sattel ab, karren Heu an, holen Wasser. Die Arbeitsabläufe haben sich mit der Zeit eingespielt. Striegeln, putzen, füttern - wer reitet, darf auch die Aufgaben, die drum herum anfallen, nicht vernachlässigen. Dessen sind sich die drei Männer bewusst, die kürzlich eine ihrer letzten Übungseinheiten absolviert haben, bevor es am 24. April ernst wird.
In Großstädten wie New York gehört sie längst zum Straßenbild, die berittene Polizei. Hierzulande nicht. Noch nicht. Denn die Ascherslebener werden sich an das Bild der Ordnungshüter hoch zu Ross schon bald gewöhnen müssen. Für genau 170 Tage wird in der Einestadt eine Reiterstaffel aufgestellt, die erste in Sachsen-Anhalt. Deren Notwendigkeit begründet die Landespolizei mit dem anspruchsvollen Einsatz der Beamten auf dem 15 Hektar großen Gelände der Landesgartenschau.
In Vorbereitung auf das Großereignis haben sich Polizei, Ordnungsamt und Sicherheitsfirma monatlich beraten. Unabhängig davon gibt es wöchentliche Zusammenkünfte zwischen den beiden Kontaktbeamten Klaus Grosch und Jörg Offenborn sowie dem Ordnungsamtsleiter Jürgen Grzega und seinem Stellvertreter Hagen Heinze. "Grundanliegen ist die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung sowie die Sauberkeit im gesamten Stadtgebiet", sagt Grosch, "Zur Laga werden wir besonders gefordert sein", ist er sich sicher. Der Polizeihauptmeister ist einer der vier Angehörigen der Reiterstaffel. Die anderen sind die Polizeiobermeister Offenborn und Klaus-Ulrich Schnita - er springt ein, fällt einer seiner Kollegen aus - sowie Gerd Ritter, Außendienstmitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes. Die gemeinsamen Fußstreifen von Polizei und Ordnungsamt bewähren sich seit nunmehr zwei Jahren. Der Erfolg solle sich in der Reiterstaffel fortsetzen. "Mit den Pferden sind wir einfach viel beweglicher. Wir müssen auch die Parks bestreifen, da kommen wir mit unseren Fahrzeugen nicht hin", benennt Grosch mit der Geländegängigkeit einen wesentlichen Vorzug, den die Reiterstaffel bietet. Auch die erhöhte Sicht und die Ruhe, die die Tiere ausstrahlen, sprechen für sie; und nicht zuletzt die Umweltverträglichkeit.
Um sich für ihre neue Aufgabe zu qualifizieren, haben sich er und seine Kollegen seit Anfang des Jahres auf der Green Hill Ranch in Mehringen entsprechend ausbilden lassen. Hardy Frellstedt, Westernreittrainer und Juniorchef, stellt nicht nur drei seiner Pferde für den Polizeidienst zur Verfügung, er hat die Ordnungshüter auch fit gemacht im Umgang mit den Tieren, deren Fütterung und Pflege, und ihnen natürlich auch Reitunterricht gegeben. Ruhigen Gewissens könne er sie nun von der Ranch reiten lassen, sagt er und beobachtet die drei jetzt, drei Monate, nachdem er sie kennengelernt und intensiv trainiert hat. "Herr Grosch ist ein lieber Kerl. Das spürt auch das Pferd", haben sich er und Wendy, die ihm kleine Fehler durchgehen lässt, mittlerweile gut miteinander arrangiert, urteilt Frellstedt. Und weiter: "Herr Offenborn war im Training recht unauffällig, ein ruhiger Geselle. Von Anfang an ist er mit Tonka wunderbar klargekommen." Wie Ersatzmann Schnita: "Er ist ein wirklich talentierter Reiter", ihm sei das Westernreiten in die Wiege gelegt worden, ist Frellstedt zufrieden mit seinen "Schülern". Auch mit Ritter. "Bei ihm passt alles wie die Faust aufs Auge." Beeindruckt habe Frellstedt, wie schnell der Ordnungsamtsmitarbeiter Vertrauen zum Tier aufgebaut hat: "Er und Luna sind ein Herz und eine Seele. Sie läuft ihm sogar ohne Halfter hinterher." "Jeden freien Sonnabend haben wir trainiert", so Grosch. "Wir haben es gern gemacht, uns aber eine Menge Arbeit ans Bein gebunden." Und die werde nicht weniger, schieben die Reiter zur Landesgartenschau Zwölf- anstatt der sonst üblichen Achtstundenschichten - mit dem Einverständnis ihrer Familien. "Dass unsere Frauen mitspielen, ist das Wichtigste." Je zwei Stunden vor Dienstantritt und nach Dienstschluss gehen für Hin- und Rückweg zu Pferde und Arbeit auf der Ranch drauf, für die Versorgung der Tiere oder den gemütlichen Ausritt zum Feierabend. "Das ist unser persönlicher Beitrag zum Gelingen der Gartenschau", spricht der Beamte für alle Angehörigen der Reiterstaffel, die gleichzeitig eine Tradition wieder aufleben lassen. Denn die Grünen Husaren waren ja einst auch in Aschersleben stationiert.