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MZ vor Ort MZ vor Ort: Graben stinkt zum Himmel

Von Kerstin Beier und Dennis Lotzmann 25.07.2004, 16:28

Giersleben/MZ. - In Giersleben soll es einen Bürgerentscheid zur künftigen Verwaltungsstruktur geben. Dafür plädierte Gemeinderat Kurt Hoffmann (PDS) am Freitagnachmittag am Stand der MZ-Redakteure. "Jetzt ist die Zeit reif, die Bürger mitentscheiden zu lassen", sagte Hoffmann und ergänzte: "Das ist Demokratie."

Zur Erinnerung: Die Initiatoren eines Bürgerbegehrens fordern einen Bürgerentscheid, in dem die Bürger darüber befinden sollen, ob ihre Gemeinde künftig von der Verwaltungsgemeinschaft Aschersleben-Land verwaltet werden soll. Der Gemeinderat hatte sich im Frühjahr für eine Verwaltung in Regie der Stadt Hecklingen entschieden, was für teilweise heftige Kritik bei den Einwohnern gesorgt hatte. Es gab Unterschriftensammlungen, und nun soll der Gemeinderat am kommenden Donnerstag in seiner Sitzung ab 19.30 Uhr über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens entscheiden.

Hildegard Ehrhardt ist strikt gegen Hecklingen: "Um Gottes Willen, ich habe schon unterschrieben", so die 80-Jährige, die gerade vom Markt kommt. Sie kaufe dreimal pro Woche am Geroplatz ein, wenn sich Händler verschiedener Sparten ein Stelldichein geben. Nach Aschersleben komme sie bequem mit dem Zug. Ihre Begleiterin, die 72-jährige Brigitte Puppe, nickte beifällig und ergänzte, dass "es früher irgendwie gemütlicher war in Giersleben. Da war der Zusammenhalt stärker."

Großen Raum nahm beim MZ-Ortstermin die Ordnung und Sauberkeit in Giersleben ein. Immer wieder wurde der Zustand des Grabens zwischen dem Geroplatz und der Fleischerei in der Webergasse bemängelt. Nachdem der Abwassergraben zunächst viele Jahre mit Betonplatten abgedeckt war, wurden diese im Zuge des Umbaus des Geroplatzes entfernt. "Erst mal ist das eine Unfallgefahr, wenn da jemand mit einem Kind unterwegs ist", sagte Helmut Dietrich und zeigte auf die senkrecht abfallende Betoneinfassung des Grabens. Vom Gestank gar nicht zu reden. "Das ist doch eine große Schweinerei", so der 69-Jährige, der sichtlich frustriert scheint über die Arbeit von Bürgermeister und Gemeinderat: "Wir Bürger haben hier in Giersleben nichts zu sagen. Statt mit den Bürgern zusammenzuarbeiten, machen die alles alleine." Nun hoffe er, dass sich mit dem neu gewählten Gemeinderat etwas ändert. Zum Graben meldete sich auch Ex-Gemeinderätin Annemarie Reinhardt zu Wort. Die maroden Platten, wusste sie zu berichten, seien weggebrochen. Eigentlich sei der Umbau dieses Abschnittes im Zuge des Geroplatzes mit projektiert worden. "Das war ein Fehler im Verwaltungsamt", versicherte sie. Dort war am Wochenende niemand erreichbar.

Kritik meldete auch Karl Dittmar aus dem Gierslebener Ortsteil Strummendorf an. Der Ortsteil sei an vielen Stellen regelrecht "zugewachsen". "Da wird einfach nicht gemäht, das ist aber dringend nötig," meint er.

Manja Kuntze wohnt in der Feldstraße und ärgert sich über den Zustand dieser Straße schon seit langem. "Die Löcher sind hier so tief, dass man höchstens Schritttempo fahren kann und auch dann kann es noch passieren, dass man aufsetzt", kritisierte sie. Auch wenn ein grundhafter Ausbau wegen der hier noch fehlenden Kanalisation nicht möglich sei, so sei doch eine Reparatur dringend erforderlich. "Am Goetheplatz, wo niemand lang fährt, da soll ein Kreisverkehr gebaut werden. Das ist doch sinnlos und reine Geldverschwendung", findet sie.

Ein Lob möchte Lisa Kanzler loswerden, die mit ihrer Familie seit über 30 Jahren in Giersleben wohnt. Sie freut sich über Bärbel Heda, die die ehemalige HO-Fleischerei nach der Wende übernommen hat und "ein richtiger Kämpfertyp ist". Trotz der großen Konkurrenz und "obwohl sie um jeden Kunden kämpfen muss", habe sie niemals aufgegeben, lobt Frau Kanzler. Sie freut sich, dass das Gebäude, das den Kanzlers gehört, nach wie vor bewirtschaftet wird. Auf einen Plausch kam auch Werner Rogge zum MZ-Stand. Der über 80-Jährige leitete die Geschicke des Ortes 22 Jahre lang als Bürgermeister. Er weiß, dass "manches nicht einfach ist". Seiner Meinung nach müssten aber die Gemeindewohnungen in der Webergasse dringend saniert werden.

Der nächste MZ-Vor-Ort-Termin ist am Monatg ab 15 Uhr in Groß Schierstedt.