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Kreistag Quedlinburg Kreistag Quedlinburg: Jagdsteuer mit Palaver zu Grabe getragen

Von Hendrik Kranert 19.02.2004, 16:38

Quedlinburg/MZ. - Die Kreisjägerschaft grollte dennoch darüber, weil sie sich übervorteilt sah: Weder Golfer, Motorsportler noch sonst irgendwelche Leute, die teure Hobbys ausüben, werden dafür besteuert. Waidmänner aber schon, obwohl sie nicht nur Wild jagen, sondern sich um Hege und Pflege von Wald und Feld kümmern. "Und tote Tiere ohne Gegenleistung für den Landkreis von der Straße kratzen", wie es der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Jens Schneidewind, einmal drastisch formuliert hat. Die Jäger forderten lange die Aufhebung der Steuer, was das Land Sachsen-Anhalt denn auch mit einer generösen Geste tat.

Der Kreistag müsse nun selbiges tun, schon von Rechtswegen, sagte Landrat Wolfram Kullik. Eine Formsache, sollte man meinen. Doch da fiel Detlef Mahlo (partei- und fraktionslos) ein, dass "auch Kleinvieh Mist macht". Der Bonmot-Lieferant forderte denn auch, dass das Land einen Ausgleich zahle solle, wenn es dem Kreis eine Einnahmequelle streicht. Und dann der Verwaltungsaufwand auf dem man sitzen bleibe: "Das muss man mal gegen rechnen."

Man kann nun die Verwaltung für vieles kritisieren, aber nicht dafür, dass sie genau jene Berechnung wohl in Erwartung solcher Fragen nicht bereits erledigt hätte: Die Verschickung der Serienbriefe an die Jagdpächter mache pro Jahr gerade mal zwei Stunden Arbeit für eine Person aus. Macht 41 Euro und 88 Cent. Hinzu kommen 27 Euro und 50 Cent für Porto und Verpackung. Macht zusammen 69,38 Euro im Jahr. "Doch laut Haushaltssatzung sind Beträge unter 100 Euro nicht planbar", erklärte Leja. Was aber noch viel besser ist: "Für das laufende Jagdjahr ist die Steuer schon bezahlt." Also nicht mal ein nicht planbarer Verlust im noch nicht stehenden Haushalt 2004.

Angesichts solch' erfreulicher Nachrichten lauschte der Kreistag denn auch zufrieden der flammenden Rede des Straßberger Abgeordneten Willi Banse wider dieser Luxussteuer - und stimmte anschließend mit großer Mehrheit für die Aufhebung. Waidmanns Heil.