Hinguckerprojekte Hinguckerprojekte: Kunstpause 2.0 - Aschersleber Gymnasiasten gestalten Bänke gegen Rassismus
Aschersleben - „Egal, ob du ein weißes Schaf oder ein schwarzes bist, sei kein dummes Schaf“, steht auf der himmelblau gestrichenen Bank, auf deren Lehne zwei kuschlige, wattige Schäfchen - natürlich eins schwarz und eins weiß - ihre Nasen neugierig in den Himmel recken.
„Das ist ein Platz für Toleranz - und zwar gleich im doppelten Sinne“, lacht Lars Bremer. „Einmal, weil es ein Platz zum Sitzen ist. Und einmal, weil die Lebenswelt tolerant sein sollte, das geht bei den Schülern los, bei den Frisuren, der Haarfarbe, reicht von Tattoos über Ausländer bis hin zu der Frage, ob der Staat Straftäter vielleicht zu lasch bestraft“, zählt der Lehrer, der am Ascherslebener Gymnasium Religion unterrichtet, auf.
Und freut sich, dass die von Schülern gestalteten Bänke auf dem Schulhof des Hauses II Bestandteil dieses Projektes sind. „Vorher sahen die nämlich braun aus, das war ziemlich eintönig“, weiß Bremer und findet: „Jetzt sieht man, dass es sich um eine Schule handelt - und eine Botschaft ist auch gleich noch dabei.“
„Die Jugendlichen haben sich lebensweltbezogen mit dem Thema Toleranz beschäftigt“
Die ist sehenswertes Ergebnis eines Workshops, der im vergangenen Jahr kurz vor den Sommerferien unter Anleitung von Stephanie Glaschke - Mutter, Psychologin und Sozialarbeiterin - durchgeführt wurde. „Die Jugendlichen haben sich lebensweltbezogen mit dem Thema Toleranz beschäftigt“, berichtet der Lehrer. Und kommt auf die blau gefärbten Haare zurück. Wie würde die Mitwelt darauf reagieren? Und warum sollten tätowierte Menschen nicht auch Blut spenden dürfen?
Später suchten sich die Stephaneer Zitate zum Thema aus und skizzierten eine Gestaltungsidee. Die setzten sie dann mit Hilfe von Winfried Leue - Raumausstatter aus Aschersleben - in die Tat um. „Herausgekommen sind zehn Sitzgelegenheiten, die zum Nachdenken und Positionieren herausfordern und die - nebenbei gesagt - das Schulhofensemble optisch aufwerten“, meint Lars Bremer.
„Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“
Da gibt es eine Bank mit Sokrates, der sagt: „Ich bin weder Athener noch Grieche, sondern ein Bürger der Welt.“ Und eine fröhlich blumige mit dem Spruch: „Um einen Schmetterling lieben zu können, müssen wir auch Raupen mögen...“. Oder eine mit farbigen Handabdrücken, die aussagt: „Ein Fremder ist ein Freund, den du nur noch nicht kennst.“ Kunstvoll gestaltete Bänke eben, die mitten in Aschersleben zu einer „Kunstpause“ einladen.
„Als Schule sind wir nämlich daran interessiert, ein tolerantes Lebensumfeld zu schaffen, weil die Gesellschaft immer bunter wird.“ Und weil die Menschen, die dort erzogen werden, morgen die Gesellschaft tragen und mitgestalten würden. Und so stand die Aktion auch im Zusammenhang mit den Schulprofilen selbst - „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ und Unesco-Projektschule. Weshalb es auch Unterstützung durch die Landeszentrale für politische Bildung gab.
„Ich habe die Bänke sogar schon im Unterricht eingesetzt“, erzählt der Lehrer. Dabei mussten sich die Jungen und Mädchen auf die Bank setzen, deren Spruch ihnen am meisten gefällt - und das am Ende begründen. Ob darunter auch weiße oder vielleicht sogar schwarze Schafe waren - möglicherweise. Dumme Schafe aber auf keinen Fall. (mz)