Giersleben tritt die Reise nach «Saale-Wipper» an
GIERSLEBEN/MZ. - Das hat der Gemeinderat jetzt einstimmig auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen und Bürgermeister Benno Rietsch (ptl.) gleichzeitig beauftragt, die dafür notwendigen Verhandlungen aufzunehmen sowie mit der Stadt Hecklingen eine Auseinandersetzungsvereinbarung vorzubereiten und einzuleiten.
So richtig wohlgefühlt hat sich der Gierslebener Gemeinderat am Dienstagabend nicht in seiner Haut. Obwohl die Beschlussfassung zügig abgearbeitet wurde, war zu spüren, dass die Gierslebener mehr mit einem weinenden Auge der Bildung einer Verbandsgemeinde zustimmten. Denn der Stolz auf das bisher Erreichte - von der Sanierung der Grundschule bis hin zu dem vor wenigen Tagen neu eingeweihten Jugendclub - ist groß. "Das Land zwingt uns per Gesetz, Althergebrachtes zu verlassen", erklärte Benno Rietsch. Und so hat es sich der Gemeinderat auf der Suche nach der besten Lösung nicht einfach gemacht. "Es ist und bleibt oberste Priorität, dass der Name Giersleben erhalten bleibt und die Eigenständigkeit behalten wird", argumentiert der Bürgermeister. Diese Eigenständigkeit hätte Giersleben aufgeben müssen, wenn es sich zu einer Eingemeindung nach Hecklingen oder Aschersleben entschlossen hätte.
"Je größer die Strukturen sind, umso größer werden die Sorgen der Kleinen. Und bleibt die Bürgernähe auf der Strecke", ist der stellvertretende Bürgermeister Peter Rietsch (Freie Bürger Giersleben) überzeugt. Unterstützt wird er von Anneliese Reinhardt (Freie Bürger Giersleben): "Es handelt sich hier um ein Kaputtmachen der Dörfer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das zum Wohle der Menschen ist." Und so sieht der Gemeinderat die bessere Zukunftsvariante in der neuen Verbandsgemeinde. Hat jetzt die Chance und die Aufgabe, in der Verbandsgemeindevereinbarung "das Beste" für Giersleben herauszuholen.
Dies soll bis spätestens zum 30. April dieses Jahres erfolgt sein. Dem Stichtag, an dem die Verbandsgemeindevereinbarung dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorliegen muss.
Im Hecklinger Rathaus kamen die Pläne der Gierslebener nicht überraschend. "Wir begrüßen den Entschluss nicht unbedingt, respektieren ihn aber", erklärte Hecklingens Stadtoberhaupt, Hans-Rüdiger Kosche (CDU), auf Anfrage der Ascherslebener Zeitung. Es sei aber aus Sicht der Gemeinde für die Gemeinde die beste Entscheidung. "Ich wünsche mir, dass wir jetzt mit der Auseinandersetzungsvereinbarung zügig vorankommen."
Laut Gesetz bedarf es bei der Bildung einer Verbandsgemeinde keiner Bürgeranhörung oder eines Bürgerentscheides. Mit Bedauern mussten etliche Gemeinderäte aber feststellen, dass im Ort das Interesse am Thema vorhanden ist, sich aber dennoch nur wenige Gierslebener an der Entscheidungsfindung in den Gremien des Gemeinderates eingebracht haben. "Wenn man mit den Bürgern spricht, kann die Problematik schnell erklärt werden", weiß Benno Rietsch. Und so wollen die Gemeinderäte weiterhin in persönlichen Gesprächen die Vorteile des Ratsbeschlusses erläutern und verständlich machen. "Denn man muss sich mit der Sache beschäftigen, um sie zu verstehen", verdeutlichte Anneliese Reinhardt.