Ehemaliger Patient ist quicklebendig
ASCHERSLEBEN/MZ. - "Wir waren uns am Wochenende nicht mehr so ganz sicher, ob wir ein solches Unterfangen noch einmal beginnen würden." Ernst Karl vom Böckel, Vorsitzender des Aschersleber Kunst- und Kulturvereins (Akku) denkt an die vielen Fotos, die er anlässlich des 700-jährigen Jubiläums der Ersterwähnung des Grauen Hofes wieder "ausgegraben" hat und die den verwahrlosten Zustand des Gebäudekomplexes kurz nach der Wende dokumentieren, bevor dieser an den Akku übergegangen ist; aber auch den Fortschritt am Bau in den 90er Jahren zeigen, dem eine gewisse Dynamik und Euphorie aller Beteiligten zugrunde gelegen hat.
"Wir sind unwahrscheinlich weit gekommen", sagt vom Böckel. Aber die Frage, wann die "ewige Baustelle" endlich fertig sei, die vermochte er weder nach fünf Jahren Bauzeit zu beantworten noch am Montag, als der Akku Förderer und Freunde zum Festempfang eingeladen hatte. "2013, nach 20 Jahren, dürfte wohl der größte Teil geschafft sein", meint der Vorsitzende, dass man den ältesten Profanbau Ascherslebens ja sowieso nur ein Stück auf seinem Weg begleiten werde. "Es ist auch eine Form, ein Haus zu würdigen, an ihm zu bauen", scheute Kultusminister Prof. Jan-Hendrik Olbertz den Vergleich mit dem Kölner Dom nicht, "der steht auch nur, weil ununterbrochen an ihm gebaut wird". "Was hier geschehen ist, verdient ein Höchstmaß an Anerkennung", äußerte sich der Schirmherr der Veranstaltung lobend - besonders in Hinblick darauf, dass die Mitglieder des Akku hiermit der Öffentlichkeit einen großen Gefallen tun: "Der Graue Hof ist ein lebendiges Kulturzentrum geworden, das weit über die Grenzen Ascherslebens hin bekannt ist."
Als "Ort der Begegnung" und einen, der der ältesten Stadt Sachsen-Anhalts gut tue, bezeichnet ihn auch Oberbürgermeister Andreas Michelmann. "Hier stand nie ein Baustellenschild, es wurde gebaut und gleichzeitig veranstaltet", sagt er.
Stillstand im Grauen Hof - Fehlanzeige, seit der Akku, der damals mit der Stadt relativ unbürokratisch einen 25-jährigen Pachtvertrag abgeschlossen hatte, am Wirken ist. Wie viel Kraft, Mut und Zuversicht vonnöten waren und sind, dieses Mammutprojekt zu stemmen, weiß Ingeburg Orlamünde, die im Anschluss an den Festakt, das Wort ergriff. "Wenn es Karl nicht gegeben hätte, dann gäbe es heute keinen Grauen Hof." Er habe den 700-jährigen Patienten maßgeblich wieder zum Leben erweckt. Und dieser "wird nicht in seiner Tradition verharren, sondern sich den Anforderungen dieses Jahrhunderts stellen", hat vom Böckel ein klares Ziel vor Augen.
700 Jahre Grauer Hof für alle: Am Freitag, dem 18. September, wird Hagen-Hubert Möckel ab 20 Uhr zum zweiten Mal in Aschersleben nach der Premiere mit seinem Ringelnatz-Programm "Es wippt eine Lampe durch die Nacht" auftreten. Begleitet wird er von Steffen Wendel auf der Gitarre, der im Anschluss daran mit seinem Bandkollegen Christian Kaiser den Abend musikalisch ausklingen lässt. Karten gibt es in der Geschäftsstelle des Akku in der Kurzen Straße 1.