Drohnen-Fotografie in Aschersleben Drohnen-Fotografie in Aschersleben: Fotos aus luftiger Höhe

Aschersleben - Ein Klick, dann blinken die vier Leuchten grün. Einige Sekunden später ist das Surren der kleinen Elektromotoren zu hören, die die vier Propeller antreiben. Thomas Tobis nimmt eine Fernsteuerung in die Hand und tippt den Joystick für die Höhensteuerung vorsichtig an. Und schon geht’s los. Mit sechs Meter pro Sekunde in die Höhe.
Die Demonstration auf einem Parkplatz in Aschersleben gerät zu einem kleinen Spektakel. Ein kleiner Junge kann kaum die Augen von diesem weißen Ding nehmen, das jetzt ein paar Meter über dem Boden schwebt. Und auch die Bauarbeiter in der Nähe legen für einige Augenblicke ihre Arbeit nieder. Sie alle haben eine Drohne womöglich noch nie aus der Nähe gesehen.
In seiner Jugend spielte Tobis mit ferngesteuerten Autos, seit einigen Monaten hat er sein Hobby auf eine neue technische Stufe gestellt. Der Maschinist aus Schadeleben hat sich für etwa 1 000 Euro dieses ferngesteuerte Flugobjekt zugelegt, das nicht größer ist als eine aufgeschlagene Zeitung. Seither lässt er die Drohne bei schönem Wetter für maximal 20 Minuten - so lange reicht die Kraft der vier Akkus - über die Dächer der Stadt steigen.
Die unbemannten Flugobjekte sind der breiten Öffentlichkeit bekannt, spätestens seit die USA die Drohnen für Angriffe im Nahen Osten nutzen. Die Technik entwickelt wurde aber bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Bundeswehr besitzt seit Jahren mehrere hundert Drohnen, die jedoch ausschließlich zur Aufklärung dienen.
In der zivilen Luftfahrt werden die Drohnen zunehmend auch von Medien genutzt, die besondere Luftaufnahmen machen wollen. Die Kosten für die entsprechende Technik sind wesentlich teurer als die Drohne von Thomas Tobis aus Schadeleben. Die Hobbyszene im Land ist vergleichsweise klein, der 46-Jährige kennt zwar weitere Hobbyflieger aus der Region, Vereine sind ihm allerdings nicht bekannt.
Laut Landesverwaltungsamt gilt die allgemeine Erlaubnis nicht für Menschenansammlungen, Unglücksorte bzw. Katastrophengebiete. Dafür müssen gesonderte Genehmigungen eingeholt werden. Werden Menschen fotografiert, müssen die ihre Einwilligung vor einer Veröffentlichung geben. (mje)
Der 46-Jährige ist einer von wenigen zivilen Drohnenpiloten in Sachsen-Anhalt. Gerade einmal über 200 entsprechende Anträge hat die zuständige Luftfahrtbehörde beim Landesverwaltungsamt erteilt - Tendenz aber stark steigend. Allein bis Mitte Oktober wurden doppelt so viele Anträge gestellt wie im vergangenen Jahr. Eine solche Erlaubnis ist neben einer speziellen Haftpflichtversicherung notwendig, um überhaupt unbemannte, bis zu fünf Kilogramm schwere Flugobjekte steigen zu lassen. Voraussetzung ist zudem eine Art Prüfung.
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Nun lässt Tobis die Drohne nicht einfach nur ein paar Runden drehen. Als freiberuflicher Fotograf - er arbeitet auch regelmäßig für die Mitteldeutsche Zeitung und hat unter anderem entdeckt, dass die beiden Böcke der Rathausuhr beschädigt sind - hat er eine Kamera installiert, die diese atemberaubenden Perspektiven im Bild festhält.
So sind in den vergangenen Monaten Fotos wie das von der Spitze des Johannisturms in Aschersleben oder von der Weißen Villa entstanden, die es so vorher sicher noch nicht gegeben hat. „Ich will nicht die Leute auf ihren Hinterhöfen fotografieren, sondern bekannte Motive aus besonderen Perspektiven“, sagt Tobis. Für die Achtung der Persönlichkeitsrechte hat der Schadelebener sogar eine Erklärung unterschrieben.
Mit dem fliegenden Auge verbindet der Schadelebener sozusagen Freizeit und Beruf. Früher habe er für Luftaufnahmen stets einen Gyrocopter gechartert. Heute kann er Fotowünsche dank einer zwölf Megapixel-Kamera nun mit seiner Drohne flexibler erfüllen. Die schießt - je nach Einstellung - alle zwei Sekunden ein Bild, das auf einer Speicherkarte gesichert und später auf dem Computer ausgelesen werden kann. Die ersten Fotoserien mit Motiven aus der Region waren so begehrt, dass er sogar die Herstellung eines Kalenders plant.
So zielgerichtet wie Tobis die etwa 1,2 Kilogramm schwere Drohne in etwa 50 Meter Höhe bei der Demonstration fliegen lässt, gelang ihm die Steuerung übrigens nicht immer. Davon zeugt die Drohne selbst, die er an mehreren Stellen schon einmal mit Heißkleber reparieren musste. „Bei den ersten Versuchen ist das Ding im Gras gelandet.“
Das passiert ihm zwar nicht mehr, wenn er aber sicher gehen will, dass seine teure Technik wieder zu ihm zurückkehrt, kann er sich auch einer Funktion bedienen, die die Drohne fiepend wie ein rückwärtsfahrender Lkw automatisch zu dem Punkt fliegen lässt, an dem alles begonnen hat. (mz)

