CDU-Bundestagsabgeordneter unterwegs CDU-Bundestagsabgeordneter unterwegs: Kaputte Brücken ärgern Dorf
Klein Schierstedt/MZ. - Klein Schierstedt müsste seine Brücken auf eigene Kosten reparieren. Doch Gerhard Erfurth, stellvertretender Leiter der Verwaltungs- gemeinschaft "Wippertal", meint: "Für eine Gemeinde mit 400 Einwohnern ist es völlig unmöglich, die Brücken zu reparieren." Also nutzen alle die einzige Möglichkeit, um auf die andere Seite des Bahndamms zu gelangen: einen Tunnel in Klein Schierstedt .
Bundestagsabgeordneter Die Gemeinde fordert von der Bahn und dem Land Unterstützung in Bezug auf die Brücken. Die Deutsche Bahn AG fühlt sich nur für den Tunnel verantwortlich, die Brücken seien Sache des Dorfes. Klein Schierstedts Bürgermeister, Klaus-Jürgen Herrmann, weiß sich zwar der Unterstützung aus dem Verwaltungsamt sicher, doch die nütze angesichts haarsträubender Entscheidungen der Bahn gar nichts. Neueste Idee der Bahn AG: "Jetzt sollen wir erst mal 300 000 Euro für eventuell irgendwann anfallende Reparaturen bezahlen."
Dass bei der Bahn nicht alles geradeaus läuft, hat auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Hartmut Büttner längst bemerkt. Er versprach dem Bürgermeister, der Gemeinderätin Angelika Schwarz, der Verwaltungsamtsleiterin, Doris Glaß, und ihrem Stellvertreter, sich in Berlin mit dem für Sachsen-Anhalt zuständigen Vertreter der Deutschen Bahn AG in Verbindung zu setzen, um eine für das Dorf vertretbare Lösung zu finden.
Büttner war am Dienstag in Klein Schierstedt unterwegs. "Ich will endlich mal meinen Wahlkreis genauer kennen lernen", begründete er den Besuch. Auf sein Angebot auch an andere Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft "Wippertal", mit ihnen über Probleme vor Ort zu reden, waren diese - außer Benno Rietsch in Giersleben - nicht eingegangen.
Dafür bot Klein Schierstedt manche Entdeckung. So die Verkehrswege: Sämtliche Straßen sind hier nach 1990, als Klaus-Jürgen Herrmann Bürgermeister wurde, neu gebaut, gepflastert oder asphaltiert worden. Oder das Schützenhaus. Der 1991 gegründete Verein, der heute 60 Mitglieder zählt, hat sich ein Schützenparadies geschaffen. Viel Lob fand Büttner, ein gelernter Fleischermeister, auch für seinen Berufskollegen Gerd Gröhl von der "Jägerklause". Büttner: "Der Mann versteht was von Wildbret. Super!"
Größter Betrieb in Klein Schierstedt ist die Schokoladefabrik. "Ich hätte alles erwartet, aber in einem so kleinen Ort einen so großen Betrieb nicht", staunte der Gast. In der Tat sind die Zahlen beachtlich. Hier arbeiten im Drei-Schicht-Rhythmus 114 Menschen, wie An- dreas Steinke, Direktor Produktion und Technik der Ludwig-Gruppe berichtete. Sechs Lehrlinge gibt es. Täglich werden, ergänzte Betriebsleiter Ulrich Müller, 80 bis 100 Tonnen Schokolade und Pralinen hergestellt, im Laufe des Jahres 21 000 bis 23 000 Tonnen.
Es sei an Erweiterung gedacht, erfuhr Büttner. Und, dass der Betrieb - wie beim Bau der Abwasserkläranlage - zeitweise sehr unter der Bürokratie von Kreis- und Landesämtern leide. Büttner nahm, neben einer kleinen Tüte Schokoriegel, auch den Wunsch nach Berlin mit, im Kampf gegen Bürokratie in diesem Lande nicht nachzulassen.