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Bibliothek in Aschersleben: Historikerin Konstanze Soch spricht über Westpakete in der DDR

Aschersleben - Konstanze Soch beschäftigte sich innerhalb ihrer Dissertation intensiv mit der Rolle der Geschenksendungen als Beitrag der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Ost und West. Ausgedehnte Recherchen und umfangreiche Befragungen von Zeitzeugen verhalfen der Historikerin zu einer umfassenden Darlegung, die sie inzwischen auch in ihrem Buch „Eine große Freude“ veröffentlichte.

Von Marie Luise Graichen

Die Diskussionsrunde am Ende der Veranstaltung im Lesecafé der Bibliothek in Aschersleben war äußerst lebhaft, denn jeder der Anwesenden hätte mit eigenen Erlebnissen zu einem stundenlangen Erfahrungsaustausch beitragen können. Denn Konstanze Soch referierte zum deutsch-deutschen Päckchen- und Paketverkehr.

Konstanze Soch beschäftigte sich innerhalb ihrer Dissertation intensiv mit der Rolle der Geschenksendungen als Beitrag der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Ost und West. Ausgedehnte Recherchen und umfangreiche Befragungen von Zeitzeugen verhalfen der Historikerin zu einer umfassenden Darlegung, die sie inzwischen auch in ihrem Buch „Eine große Freude“ veröffentlichte.

Sie selbst, gerade noch 1988 in der DDR geboren, kennt diese Zeit nur aus Erzählungen ihrer Familie und betrachtete es als total spannend, sich innerhalb einer wissenschaftlichen Arbeit näher mit dieser Thematik zu befassen.

Konstanze Soch wurde 1988 geboren und kennt alles nur aus Erzählungen

Die Versorgungssituation nach dem Krieg führte auf beiden Seiten Deutschlands zu einem Aufruf, Pakete zu verschicken, und die Bevölkerung machte im Rahmen der Möglichkeiten regen Gebrauch.

Dabei war das Gefälle von West nach Ost deutlich größer, denn begehrliche Artikel waren eher in der BRD zu haben und kamen reichlich per Post über die Grenze.

Ab 1954 regelte eine Vorschrift den Inhalt der Pakete aus dem Westen

Um die „Sogwirkung des westdeutschen Wirtschaftswunders“ etwas einzuschränken, wurde 1954 in der DDR eine Geschenkpaketverordnung erlassen, die den Inhalt der Westpakete reglementierte. Im Jahr 1961 gab es eine massive Verschärfung.

So waren nur zwölf Pakete pro Jahr erlaubt. Aber auch bestimmte hochwertige Dinge aus der DDR durften nicht verschickt werden. Das wiederum führte zu strengen Kontrollen der Paketinhalte, die sich durchaus nicht nur auf das Territorium der DDR erstreckte.

In der Recherche zur Dissertation fand die Historikerin heraus, dass auch die BRD intensiv kontrollierte und das Augenmerk besonders auf Bücher und Literatur richtete, um Agenten und Spione zu enttarnen.

Soch arbeitet als Wissenschaftlerin bei der Stasi-Unterlagenbehörde

Die inzwischen in der Abteilung Bildung und Forschung in der Behörde der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen arbeitende Wissenschaftlerin dehnte auch ihre Forschungen bis zur und nach der Wende aus. Bei weitem gehen keine Geschenksendungen in der Größenordnung wie früher mehr hin und her, der Paketversand hat sich in seinem Charakter geändert. (mz)