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Aschersleben Aschersleben: Puffer in der Mongolei

Von SUSANNE THON 27.10.2010, 16:29

ASCHERSLEBEN/MZ. - "Ich bin eine moderne Frau, nehme Neues gern an, aber von bestimmten Geräten kann ich mich einfach nicht trennen, so lange sie funktionieren", sagt Sieglinde Beucke. "Und damit sie auch lange funktionieren, hegt und pflegt sie mein Mann Hans."

An zwei "DDR-Oldies", einer gusseisernen Veritas-Nähmaschine, gekauft 1964, und dem orangefarbenen Handrührgerät RG 28 mit verschiedenen Aufsätzen, im Einsatz seit 1985, hängt ihr Herz besonders. "Das sind meine Schätze", sagt die Ascherslebenerin, "und sie haben nicht nur Jahre, sondern auch viele Tausend Kilometer auf dem Buckel." Von Berufs wegen - Hans Beucke war Schlosser - zog die Familie zwei Mal für jeweils zwei Jahre um. Nicht etwa in den Nachbarort, nein, in die Mongolei. 12 000 Kilometer hin - das war 1976, 12 000 Kilometer zurück - 1978. Und das ganze noch mal etwa zehn Jahre später. Im Gepäck die Nähmaschine und beim zweiten Umzug auch das Rührgerät.

Die Geräte mussten mit, "dort gab's ja nichts", erzählt die gelernte Einzelhandelskauffrau und studierte Handelsökonomin, die ganz schön ins Schwitzen geriet, als der Container mit ihren Sachen 1986 vorübergehend spurlos verschwand. "Ein halbes Jahr war er weg und als man ihn endlich gefunden hatte, aufgebrochen. Aber zum Glück war nichts geklaut", wirkt sie noch heute erleichtert, wie sie es so sagt. "Mit der Maschine habe ich für die Kinder und Freunde genäht, Kleidung, Gardinen und Tischdecken. Ich habe sie unheimlich oft genutzt", so Beucke. Und nicht seltener griff sie zum RG 28, ließ sich die Familie auch in der Ferne Kuchen, Kartoffelbrei und Puffer schmecken. Eine Freundin aus Armenien war ganz scharf auf das Gerät, erinnert sich die Ascherslebenerin, "fragte mich kurz vor unserer Abreise, ob ich es ihr nicht überlassen könnte". Das tat Beucke nicht - ihren Schatz hergeben konnte und wollte sie nicht -, versprach der Frau aber, sich nach einem neuen umzuschauen, doch erst mal zurück in die DDR. Sie ergatterte tatsächlich ein Rührgerät, obwohl nur schwer zu bekommen - "Bückdichware" eben - und ließ es der Freundin zukommen.

Das alte Rührgerät leistet auch heute noch treue Dienste im Hause Beucke. Manchmal wird's sogar richtig strapaziert wie vor 14 Tagen, als es wieder Kartoffelpuffer gab. Zu Gast war die ganze Familie, Kinder, Enkel und Freunde. "Unglaublich, was für eine Energie das Gerät hat", staunt die Ascherslebenerin. Elf Kilogramm Kartoffeln - geschält und in Stücke geschnitten - jagte Ehemann Hans durch den Durchlaufschnitzler. 96 Puffer bescherte den Beuckes die Aktion.

Angesichts solcher Höchstleistung, "kann ich manches DDR-Gerät gar nicht wegschmeißen", sagt Sieglinde Beucke, erntet ein zustimmendes Nicken von ihrem Mann: "Die sind so gebaut, dass sie Jahrzehnte halten", so Hans Beucke. Der Garantieschein war reine Formsache. Aber selbst davon flattert noch einer rum im Haushalt. Der, der zum Einkochapparat gehört, denn bei Beuckes gibt es noch Eingewecktes und hausgemachte Marmelade, wenn auch nicht mehr so viel wie früher, als die Familie noch einen großen Garten hatte.

Aus dieser Zeit stammt auch das original DDR-Folienschweißgerät "Vitafrisch" für Gemüse und Obst aus eigenem Anbau. Heiß begehrt waren Schweißer und rar. "Manchmal gab's nur fünf Stück im Quartal, dabei hat doch jeder eingekocht", so Sieglinde Beucke. Apropos kochen: Pellkartoffeln und "alle Suppen, die es gibt" kocht sie noch heute im Neun-Liter-Schnellkochtopf - "das geht schnell und schmeckt gut". Da ist das Schleudern schon aufwendiger. Trotzdem wird die TS 66-Trockenschleuder hin und wieder in Betrieb genommen. Wie die Rotlichtlampe bei Verspannungen im Rücken.