Wenn Kinder chatten: Worauf Eltern achten sollten
Konstanz/Mainz/dpa. - Auf Kinder und Jugendliche übt das Internet eine besondere Anziehungskraft aus. Besonders reizvoll sind Chatrooms, in denen sie sich kostenlos und anonym austauschen können.
Allerdings kommt es in der virtuellen Sphäre immer wieder zu sexuellen Übergriffen. Derzeit verhandelt das Landgericht Konstanz über einen Fall, in dem ein 53-jähriger Mann ein 14-jähriges Mädchen in einem Chatroom gezielt kontaktiert und bei einem Treffen vergewaltigt haben soll. Welche Chancen, welche Risiken birgt das Internet? Und was sollten Eltern beachten?
Was ist eigentlich ein Chat?
Das englische Wort «to chat» bedeutet plaudern oder schwatzen. Im Internet ist es eine schriftliche Unterhaltung. Das kann in offenen Foren auf einer Website oder im Dialog mit ausgesuchten Partnern über sogenannte Instant-Messenger-Programme wie ICQ oder MSN geschehen. Bei der Messenger-Kommunikation bauen die Rechner der Teilnehmer eine direkte Verbindung auf.
Was ist daran so faszinierend?
«Kinder und Jugendliche können ohne Hemmschwellen anonym Kontakte knüpfen oder sich über Schulnöte und Konflikte mit den Eltern austauschen», erklärt Katja Knieriem von jugendschutz.net in Mainz, der Zentralstelle für den Schutz von Minderjährigen in Telemedien. «Da ist es nicht wichtig, wie man aussieht und ob man im wahren Leben schüchtern ist», sagt sie. «Der Reiz besteht darin, in andere Rollen zu schlüpfen und sich auszuprobieren.» Dazu gehörten auch Flirtversuche, besonders am Anfang der Pubertät.
Welche Gefahren lauern im Netz?
«Kindern und Jugendlichen muss klar sein, dass Dinge, die ein Chatpartner erzählt, nicht gleich für voll genommen werden dürfen», betont Knierim. «Gesundes Misstrauen» sei angebracht. Denn Pädophile nutzten die Anonymität, um sich, mitunter als Jugendliche getarnt, an Minderjährige heranzumachen. Kinder sollten vor allem persönliche Daten für sich behalten. «Keinen vollen Namen nennen, kein Alter, keine Telefonnummer.»
Was sollten Kinder bei sexueller Anmache tun?
«Den Dialog sofort abbrechen», empfiehlt Knierim. «In manchen Chatrooms gibt es einen Notfall-Button, um einen Moderator herbeizurufen», erklärt sie. Er kann das Gespräch oder Pornobilder speichern, um den Gesprächspartner zu sperren oder wegen sexueller Belästigung anzuzeigen.
Sollten Kinder und Jugendliche ihre Internet-Freunde treffen?
«Wir raten grundsätzlich von Treffen ab», sagt die Expertin. «Denn das ist mit einem sehr hohen Risiko verbunden.» Wenn die Neugier aber siegt, sollte das Kind auf jeden Fall einen Elternteil mitnehmen. Ansonsten empfiehlt sie Vorsichtsmaßnahmen wie im wirklichen Leben. «Bloß nicht zu Fremden ins Auto steigen oder sich in einer Wohnung treffen.»
Was können Chatanbieter tun?
Nach Knierims Erfahrungen ist sexuelle Belästigung in großen Chaträumen, in denen die Betreiber nicht moderieren oder kontrollieren, «leider an der Tagesordnung». Deshalb fordert jugendschutz.net mehr Moderatoren, die durchgängig anwesend sind, intensivere Kontrolle bei der Anmeldung - beispielsweise Einverständniserklärung der Eltern - oder technische Verbesserungen wie automatisch installierte Barrieren, die unerwünschte Fremde fernhalten.
Wie sollten sich Eltern verhalten?
Eltern sollten sich um den Medienkonsum der Kinder kümmern und dafür Spielregeln aufstellen, meint Knierim. Kinder seien den Erwachsenen in der Mediennutzung zwar oft voraus. Die Eltern sollten sich aber von ihren Sprösslingen zeigen lassen, wo sie im Web unterwegs sind. Und die Erwachsenen sollten sich über kindgerechte Chatangebote informieren.
Infos zu Jugendschutz im Internet: www.jugendschutz.net
Tipps zum Chatten ohne Risiko: www.chatten-ohne-risiko.de