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Obst Obst: Renaissance alter Apfelsorten

Von Heike Wells 01.10.2004, 17:08

Husum/Sörup/dpa. - Sie heißen «Agathe von Klanxbüll» und «Stina Lohmann», «Dithmarscher Paradiesapfel» und «Hattstedter Streifling»: Historische Apfelsorten erleben nach Beobachtungen aus Baumschulen in Schleswig-Holstein eine Renaissance.

«Die Menschen fragen wieder vermehrt nach den alten Sorten», berichtet mit Meinolf Hammerschmidt aus Winderatt bei Sörup im Kreis Schleswig-Flensburg einer der führenden Experten im Land.

Der Trend ist nach seinen Beobachtungen eine Reaktion auf das eingeschränkte Angebot des Handels. «Die Menschen suchen Vielfalt und erinnern sich an die Äpfel ihrer Kindheit.» Auch Kollegen wie Sven Börst von den Husumer Baumschulen in Kreis Nordfriesland bestätigen das: «Alte, robuste Sorten werden gezielt gesucht, die Leute kommen mit ihren Kindheitserinnerungen.»

Sie können in der Einrichtung mit über 100-jähriger Tradition aus mehr als 70 historischen Sorten wählen, darunter «Hasenkopfapfel» und «Purpurroter Cousinot». Das ist eine nach Börsts Angaben für die Gegend um Husum typische Sorte, die 1759 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Ökologen sehen die Entwicklung mit Freude: Alte Obstsorten zu pflegen, sei ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der genetischen Vielfalt der Natur, sagt Geert Leimich von der BUND-Ortsgruppe Husum (Kreis Nordfriesland), die mehrere Obstbaumwiesen mit regionalen Sorten unterhält. Auf Initiative des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) läuft zudem in vielen Kommunen Schleswig- Holsteins, darunter Husum, eine Bestimmungsaktion. Interessierte Gartenbesitzer können Kostproben ihrer Schätze abgeben, die dann von einem Pomologen (Apfelkundler) unter die Lupe genommen werden.

Hammerschmidt war über seine Leidenschaft für alte Obstsorten zum Baumschulenbesitzer geworden. Er berichtet, dass es einmal allein in Schleswig-Holstein rund 1500 Apfelsorten gab. Deren Vorkommen kann auf einen Ort beschränkt gewesen sein, auf eine Familie, ein Dorf oder eine Region. Das gilt auch für den «Husumer Pfirsichapfel», auf dessen Spuren Hammerschmidt seit Jahren ist:

«Der ist so schön in der Literatur beschrieben, aber wir haben ihn noch nicht wieder gefunden.» Einen Apfel der Sorte «Stina Lohmann» dagegen, eine von der Namensgeberin um 1840 in ihrem Garten in Kellinghusen im Kreis Steinburg angebaute Sorte, gibt es bis heute in Nachzucht zu kaufen.

So beliebt die historischen Apfelsorten auch sein mögen - in Supermärkten zwischen Nord- und Ostsee werden sie auch künftig kaum zu finden sein. Denn das Interesse an ihnen ist reine Privatsache: Im kommerziellen Apfelanbau im Lande spielen «Inge von Klixbüll», «Dithmarscher Borsdorfer» und all die anderen keine Rolle, berichtet der Sprecher der Landwirtschaftskammer, Manfred Christiansen. Hauptsorten der schleswig-holsteinischen Apfelproduktion auf gut 600 Hektar mit Schwerpunkt in der Elbmarsch bleiben «Holsteiner Cox» und «Elstar».