Liebe im Urlaub bedeutet Freude und Schmerz
Göttingen/Kiel/dpa. - Sonne, Strand und Herzklopfen - viele kennen das: Im Urlaub lernen sie einen netten Typen kennen oder verlieben sich in ein süßes Mädchen. Ein Happy-End ist dabei aber keineswegs garantiert.
Das Ganze endet sicher nur im Extremfall so wie bei Marco aus Uelzen, der mit dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer 13-jährigen Engländerin in ein türkisches Gefängnis kam. Meistens sind die Probleme viel simpler: Nach ein paar aufregenden Tage kommt die Trennung für das Pärchen viel zu früh.
Flirts in den Ferien und Liebe im Urlaub sind beides auf einmal: schön, solange sie dauern, und schmerzvoll bei der Trennung. Befreit vom Stress in der Schule und fern des Alltags fällt es leichter, sich zu verlieben. Die meisten sind im Urlaub entspannter als zu Hause, und das macht sich auch in einer tolleren Ausstrahlung bemerkbar. «Die neue Umgebung ist reizvoll, alles ist etwas freier und man spürt die Grenzen des Alltags nicht so», sagt Ute Wiese-Hast aus Göttingen. Die Sozialpädagogin berät auf der Webseite von Pro Familia, www.sexundso.de, Jugendliche mit Liebeskummer und anderen Problemen.
«Ferien sind zum Flirten da, zumindest wenn man keinen Freund hat.» Mit dieser Einstellung fährt Andrea aus Eberswalde in Brandenburg in den Urlaub. Vor drei Jahren war es allerdings etwas ernster: Die damals 16-Jährige hatte sich im Skiurlaub in Michael aus Sachsen verliebt. Nach dem Urlaub haben sie jeden Abend telefoniert, erzählt Andrea, ein halbes Jahr lang. Dann sei der Kontakt abgebrochen. Bis sich Michael ein halbes Jahr später wieder meldete. «Danach haben wir uns jedes Wochenende besucht und auch in den Ferien Zeit miteinander verbracht.» Sechs Monate später sei dann endgültig Schluss gewesen, die Beziehung an der Entfernung gescheitert.
Die räumliche Entfernung macht vielen zu schaffen, die sich im Urlaub verlieben. Ohne Auto und mit wenig Geld sei es schwer, die räumliche Distanz zu überbrücken, sagt Wiese-Hast. Anrufe und Mails seien einfach nicht dasselbe wie persönliche Begegnungen.
Auch die Kommunikation über Handy läuft nicht immer problemlos, wie die Geschichte von Melanie aus Kiel zeigt. Die 15-Jährige hatte sich beim Urlaub mit ihren Eltern in einen Dänen verguckt. Die Bekanntschaft hielt nur einen Tag. «Wir haben Handynummern ausgetauscht, aber irgendwie hat das nicht funktioniert. Ich hatte wohl die falsche Vorwahl.»
«Nach dem Abschied von der Urlaubsliebe ist zu Hause erst einmal alles grau und doof», beschreibt Wiese-Hast die Stimmung vieler verliebter Heimkehrer. Liebeskummer tue immer weh, aber es helfe, mit anderen darüber zu reden. Auch mit den Eltern, denn sie könnten vielleicht zu einem Wiedersehen mit dem Schwarm beitragen. Und die nächsten Sommerferien kommen bestimmt: «Wir hatten schon Pärchen, die sich auf einer unserer Reisen kennengelernt haben und im nächsten Jahr wieder zusammen weggefahren sind», erzählt Christoph Edlinger von Ruf Jugendreisen in Bielefeld.
Doch manchmal entwickelt sich aus einem Urlaubsflirt auch viel mehr: Anja hatte Thomas Mitte der neunziger Jahre in Ungarn auf einem Campingplatz getroffen. «Eine Woche waren wir zusammen, dann musste er wieder nach Hause», erinnert sich Anja. Kurz darauf sei er aber für ein paar weitere Tage zurückgekommen. Dem Urlaub folgte eine Fernbeziehung über 270 Kilometer. Bei den beiden klappte es: Vor zehn Monaten haben sie geheiratet.
Webseite von Pro Familia: www.sexundso.de