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Narkosetechnik Narkosetechnik: Ambulante Vollnarkosen nehmen zu

Von Jörg Wiebking 16.03.2007, 12:34

Frankfurt/Nürnberg/dpa. - Doch nicht jeder Eingriff lässt sich auf dieschnelle Tour erledigen - und die Patienten müssen sich in jedem Fallgut vorbereiten.

«Vor zehn Jahren lag der Anteil ambulanter Vollnarkosen noch bei10 Prozent, heute sind es 35 bis 40 Prozent», sagt Winfried Hoerstervom Verband ambulant tätiger Anästhesisten (VAA) in Frankfurt. Dasliege nicht nur an den im Vergleich zum stationären Aufenthaltgeringeren Kosten. Vor allem böte die ambulante Behandlung «Vorteilefür die Genesung». Zudem sei das Risiko einer Wundinfektion geringer,und auch die vertraute Umgebung wirke sich positiv aus. Das geltebesonders für Kinder und ältere Menschen.

«Bei sehr alten oder dementen Patienten ist die kurze Zeitaußerhalb der vertrauten Umgebung weniger riskant», ergänzt MichaelHeld vom AOK-Bundesverband in Bonn. Bei vollstationärer Unterbringungdrohe immer ein «Absturz in Verwirrung und völligePflegeabhängigkeit». Dieses Risiko müsse gegen ein möglicherweiseerhöhtes Behandlungsrisiko abgewogen werden.

Die Narkosetechnik habe sich in den vergangenen Jahren deutlichweiterentwickelt, sagt Elmar Mertens vom Berufsverband DeutscherAnästhesisten (BDA) in Nürnberg. Dauer und Tiefe ließen sich heutewesentlich genauer steuern. So können immer mehr Eingriffe unterNarkose ambulant vorgenommen werden, die früher den Krankenhäusernvorbehalten waren, erläutert Mertens: Dazu zählen Operationen anZähnen, Mund und Kiefer ebenso wie an Gelenken und Bauchwandbrüchen,aber auch Polypen bei Kindern und kleinere gynäkologische Eingriffe.

Ziel der Narkose ist es bei solchen Operationen, das Bewusstseinund Schmerzempfinden im ganzen Körper auszuschalten. «In der Regelwerden Schmerzmittel und Schlafmittel mit Medikamenten zurMuskelentspannung und zur Dämpfung von Kreislauf und Atmungkombiniert», erläutert Mertens. Die Wirkung setze schnell ein, «diePatienten schlafen meist innerhalb von 20 Sekunden ein».

«Auch das Aufwachen geht sehr schnell», ergänzt Hoerster. «Nacheiner halben Stunde ist man richtig wach.» Die Medikamente seien sogut steuerbar, dass die Patienten in der Regel nach spätestens zweiStunden wieder nach Hause könnten.

Vor der Narkose liegt allerdings das Vorgespräch mit demAnästhesisten: «Es gibt da eine lange Liste von Fragen nachVorerkrankungen», erläutert Mertens. Wenn der Patient zum BeispielAsthma hat oder eine Lebererkrankung, dann muss sich der Arzt in derNarkose darauf einstellen. Das Vorgespräch sollte mehrere Tage vordem Eingriff stattfinden, sagt Mertens. Der Patient müsse sich freientscheiden können, ob er in die Narkose und den Eingriff einwilligt.«Das geht nicht erst in einem Gespräch fünf Minuten vor der OP.»

Entscheiden kann der Patient allerdings nicht, ob er sich ambulantoder stationär behandeln lässt. «Wenn ein ambulanter Eingriffmedizinisch dem teureren stationären Eingriff gleichwertig ist, dannbesteht kein Anspruch auf stationäre Behandlung», erläutert MichaelHeld vom AOK-Bundesverband. Die Krankenkasse dürfe in diesem Fall dieKosten nicht übernehmen. Es spreche aber nichts dagegen, wenn Kasseund Patient sich darauf einigen, dass der Patient die Mehrkostenselbst trägt.

Im Vorgespräch erfahren die Patienten auch, was sie vor und nachdem Eingriff beachten müssen: «Mindestens sechs Stunden vorher darfman nichts mehr essen und trinken», erläutert Mertens. Auch Transportund Betreuung sollten frühzeitig organisiert werden. «AmStraßenverkehr kann der Patient nicht teilnehmen, und die ersten 24Stunden muss jemand im Haushalt sein, der sich um ihn kümmert.»

SERVICE-KASTEN: Nicht Jedermann für ambulanten Eingriff geeignet

Nicht jeder Patient ist für einen ambulanten Eingriff unterVollnarkose geeignet. Wer zum Beispiel innerhalb von sechs Monatenvor der Operation einen Herzinfarkt hatte, gehöre in stationäreBehandlung, sagt Winfried Hoerster vom Verband ambulant tätigerAnästhesisten (VAA) in Frankfurt/Main. Das gelte ebenfalls fürPersonen, die einen Schlaganfall hatten oder unter fortgeschrittenenHerz-Kreislauf-Erkrankungen leiden.

Das Alter alleine spreche nicht gegen ambulante Eingriffe -wichtiger sei der Gesundheitszustand. Der Patient sollte frei vonInfekten sein. Ein kleiner Husten stört weniger. Aber eine richtigeBronchitis wäre ein Grund, eine OP zu verschieben.