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Gänseengpass Gänseengpass: «Braten-Alarm» vor Weihnachten

Von Berrit Gräber 15.12.2011, 16:36
In einer Gaststätte steht ein Teller mit Klößen, Rotkohl und Gänsekeule. (FOTO: DPA)
In einer Gaststätte steht ein Teller mit Klößen, Rotkohl und Gänsekeule. (FOTO: DPA) dpa-Zentralbild

München/dapd. - Wer an Weihnachten leckeren Gänsebraten genießenwill, muss sich sputen: Gut eine Woche vor dem Fest werden die Gänseknapp. Egal, ob es eine frische Gans vom deutschen Bauern undZüchter sein soll oder die tiefgefrorene Variante etwa aus Polenoder Ungarn - bei allen Angeboten gebe es in diesem Jahr Engpässe,sagt Lorenz Eskildsen, Vorsitzender des Bundesverbands bäuerlicherGänsehaltung (BBG), im dapd-Gespräch.

Europaweite Probleme bei der Aufzucht hätten den unerfreulichen«Braten-Alarm» ausgelöst. Dazu komme, dass die Weihnachtsgans trotzEuro-Krise in diesem Jahr besonders gefragt sei, vor allem ausdeutscher Haltung, sagt der Fachmann. Und das, obwohl dieSpezialität um circa zehn Prozent teurer geworden ist.

Wer mit Bestellung und Einkauf bis kurz vor dem Fest wartenwollte, dürfte in die Röhre gucken. «Wir mussten Neukunden schonabsagen», berichtet Constantin von Luttitz, Geschäftsführer desbayerischen Gutshofs Niederaltburg, der Münchner Metzgereien undGroßgastronomen wie Feinkost Käfer oder Sternekoch Heinz Winklerbeliefert. «Da wollte gerade jemand 55 Gänse ordern, aber wir habennur noch 20, 30 zu vergeben.» Gans knapp - so sieht es auch beiseinem norddeutschen Kollegen Eskildsen aus.

Zwtl.: Warmer April verringert Legeleistung

Ein Hauptgrund für die Lieferschwierigkeiten ist das Wetter. Weiles im April in ganz Europa sehr warm war, kamen die Gänse auf eineextrem schwache Legeleistung. Sprich: Sie vermehrten sich nur träge.Und in Deutschland mussten zehntausende Tiere im Sommernotgeschlachtet werden, weil sie mit der Influenza infiziert waren,berichtet Eskildsen. «Das hat das allgemeine Angebot noch weiternach unten gedrückt.»

Und ausgerechnet diese Weihnacht will halb Deutschland explizit«glückliche Gänse» vom Bauern aus der Region auf den Tisch bringen.«Die Leute wollen inzwischen wissen, wo ihr Braten herkommt», sagtEskildsen. Deutsche Gänse werden im Gegensatz zu Federvieh aus demAusland mindestens 22 Wochen alt. Sie dürfen weder im Turbotempogemästet, also gestopft werden, noch bei lebendigem Leib gerupftwerden, wie anderswo erlaubt. Für das frische Qualitätsgeflügelgeben die deutschen Verbraucher auch gern etwas mehr aus. EinKilogramm Gans kostet diesmal zwischen 8 und 14,20 Euro, erklärt derZentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft.

Zwtl.: Bei Gänsen aus der Kühltruhe auf Haltbarkeit achten

Wer auf die Kühltruhe im Supermarkt ausweichen will, muss sichebenfalls beeilen. Auch dort sind die Bestände alles andere alsüppig, sagt Eskildsen. Gefrorene Gänse sind meist Importware ausPolen oder Ungarn, die oftmals schon nach 16 Wochen Lebenszeitgeschlachtet werden. Wer noch eine Frost-Alternative ergattert,solle sich das Etikett genau anschauen, rät Luttitz. Die Gans müssenoch mindestens ein Jahr lang haltbar sein. Ist das nicht der Fall,kann das Tier womöglich schon zwei Jahre alt sein. In solch einerlangen Kühlzeit seit der Schlachtung verliere das Fleisch deutlichan Geschmack.

Und noch ein paar Tipps haben die Experten parat: Die perfekteWeihnachtsgans wiegt um die fünf Kilogramm. Hat sie mehr, ist siemeist zu fett. Bringt sie weniger auf die Waage, ist nach dem Bratenkaum mehr was dran. Außerdem sollten die Innereien mitgeliefertwerden. Das gibt eine tolle Soße.