Digitale Fotoapparate Digitale Fotoapparate: Smartphone oder Kamera?
Halle (Saale)/MZ. - Der Markt für Smartphones boomt. Die kleinen Alleskönner empfangen und verschicken Mails und Anrufe, suchen im Internet den schnellsten Weg durch fremde Städte - und können dabei gleich noch die Sehenswürdigkeiten fotografieren. Doch als Ersatz für eine Kompaktkamera taugen Smartphones nur in wenigen Fällen.
Wie schön Fotos mit dem Smartphone werden, hängt von vielen Faktoren ab. Die Auflösung ist nur einer davon. Die Mehrheit der Smartphones hat inzwischen Kameras mit mindestens fünf Megapixeln. Doch viele Pixel bedeuten nicht zwingend gute Bildqualität: "Wichtig ist auch die Größe des Bildsensors", sagt Ronald Dammschneider von der Stiftung Warentest. Dieser fällt bei Smartphones oft sehr klein aus. Bei einer sehr hohen Auflösung müssen sich viele Bildpunkte den geringen Platz teilen. Es entstehen unschöne Muster, Konturen verschwimmen, die Farben strahlen nicht mehr: Das Bild "rauscht".
Eine Kompaktkamera bringt in der Regel ein Objektiv mit, das zum Zoomen ein- und ausgefahren wird. Smartphones verfügen aus Platzgründen meistens nur über einen digitalen Zoom. "Je mehr man damit ein Bild vergrößert, desto stärker gehen Kontraste verloren, und das Bildrauschen wird schlimmer", sagt Dammschneider. Das Smartphone eignet sich daher eher für Motive, denen man auch ohne Zoom nahe kommen kann.
Viele Smartphones verfügen inzwischen über einen Autofokus. Dieser stellt aber meistens einfach alle Objekte im Sucher scharf, erklärt Wolfgang Pauler vom Technik-Portal "Chip Online". Porträts mit unscharfem Hintergrund, mit Tiefe, seien so nicht möglich. "Der Autofokus bei Digitalkameras arbeitet hier meist feiner."
"Bei Dämmerung oder nachts versuppen die meisten Smartphone-Fotos", sagt Tobias Habura vom Magazin "Photographie". Höchstens bei Nahaufnahmen sei die Qualität ordentlich. Allerdings verfügen viele Smartphones mittlerweile über sogenannte Motivpro-gramme. Wie bei Digi-Kameras lässt sich so beim Fußball die Voreinstellung "Sport" oder bei Kirschblüten das Profil "Makro" wählen. Auch eine Selbstauslöserfunktion ist fast Standard. "Das Menü ist bei Digitalkameras aber meist üppiger, sie sind ja fürs Fotografieren konzipiert", sagt Dammschneider. "Das Smartphone ist quasi ein Schweizer Taschenmesser - das Fotografieren ist nur eine Funktion von vielen". Aber: Wer seine Fotos vor allem für das Internet und diverse soziale Netzwerke schießt, ist mit dem Smartphone oft besser bedient, weil es fast immer dabei ist.