Maler Georg Karl Pfahler gestorben Maler Georg Karl Pfahler gestorben: Ein Leben für die Farbe
Stuttgart/Weißenburg/dpa. - Der Maler Georg Karl Pfahler,bedeutender Vertreter einer farbintensiven geometrischen Abstraktion,ist tot. Er starb am Samstag nach schwerer Krankheit im Alter von 75Jahren in Weißenburg-Emetzheim in Mittelfranken. Die Farbe verstandder Künstler nicht als Kolorit, sondern als Motiv selbst, dasRäumlichkeit entwickelt. «Farbe schafft Raum, Farbe ist Form undRaum», sagte er einmal.
Schon Ende der 50er Jahre setzte Pfahler in der Malerei neueWegmarken. So stellte er seine blockhaften Farbflächenbilder gegendie abstrakte Kunstrichtung Informel. Immer stärker reduzierte derKünstler sein malerisches Konzept auf einfache, genau definierteFormen und auf das Phänomen von teils sehr poppig-frischer Farbe.Pfahler stand den «Hard-Edge»-Künstlern nahe und war 1967 bei derAusstellung «Formen und Farbe» neben den Amerikanern der vielbeachtete deutsche Vertreter.
Als «Raum» definierte der Maler weder den klassischenIllusionsraum der Bilder, der aus der Perspektive resultiert, nochdie Räume der Kubisten oder der konkreten Malerei mit optischenStrukturen oder Flächenspielen. Vielmehr wollte der Künstler, dasssich seine an den Ecken abgerundeten Bilder in den typischen FarbenGelb, Rot, Grün und Orange auf den Betrachter hin entwickeln, dasssie scheinbar in den Raum klappen.
Nicht immer wurde die öffentliche Aufmerksamkeit derKunstauffassung Pfahlers gerecht: Zum Entsetzen des Künstlers wurdezum Beispiel eine Nische in eine Farbfeld-Wand geschlagen, diePfahler im VIP-Bereich des Münchner Olympiastadions geschaffen hatte- die Veranstalter suchten einen Platz für den Fernseher. Weitereabstrakte Bildelemente, die Pfahler für die Mensa der TechnischenUniversität Berlin geschaffen hatte, landeten nach derKantinenrenovierung auf dem Müll.
Geboren wurde der Maler am 8. Oktober 1926 in Emetzheim. Erstudierte bei Manfred Henninger an der Kunstakademie in Stuttgart.Prägend war für ihn die Begegnung mit dem Spätwerk von WilliBaumeister, in der Pfahlers Sinn für Flächen, formale Disziplin undFarbfrische ihren Ursprung hat. Seine große Zeit hatte Pfahler in den60er und 70er Jahren. Furore machte er 1965 auf der «Signale»-Ausstellung in Basel, bei der er seine «Formative» ausstellte - sonannte er seine Arbeiten der frühen 60er Jahre. Mit formativ meinteer einen «Schwebezustand, ein Hintasten zu Farbe und Form, zuFarbform».
Aus der anfänglichen Leinwandkunst wurden im Laufe der Zeitzunächst Objekte, schließlich Möbel, zuletzt sogar Pavillons, die derKünstler «Palaverhäuser» nannte. 1970 war Pfahler mit begehbarenLabyrinthen aus dreieinhalb Meter hohen Wänden auf der Kunstbiennalein Venedig vertreten. In Chemnitz wurde im vergangenen Jahr eineAusstellung mit seinen jüngsten Großformaten gezeigt, derzeit läuftin Wuppertal der zweite Teil der Schau. Als bedeutender Vertreter dergeometrischen Abstraktion ist Pfahler in vielen Kunstsammlungenvertreten.