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Kinostart: 6. Dezember Kinostart: 6. Dezember: «Für den unbekannten Hund»

Von Ricarda Schrader 30.11.2007, 12:54
Steinmetz Festus (l., Sascha Reimann, alias Ferris MC) zeigt Bastian (Lukas Steltner) ein Foto in einem Buch. Der Film «Für den unbekannten Hund» erzählt die Geschichte von Bastian, der einen Menschen getötet hat, einen Landstreicher. (Foto: dpa)
Steinmetz Festus (l., Sascha Reimann, alias Ferris MC) zeigt Bastian (Lukas Steltner) ein Foto in einem Buch. Der Film «Für den unbekannten Hund» erzählt die Geschichte von Bastian, der einen Menschen getötet hat, einen Landstreicher. (Foto: dpa) Senator Film

Hamburg/dpa. - Konfliktbereit präsentieren sie sich auch acht Jahrespäter mit ihrem zweiten Spielfilm «Für den unbekannten Hund». DieGeschichte von Gewalt, Schuld und Sühne führt in die abgeschirmteParallelwelt der Wandergesellen und verbindet eine Fülle vonSchauplätzen zu einem dramatischen, kunstvoll inszeniertenBilderbogen. Im September wurde der Film mit dem Otto-Sprenger-Preisausgezeichnet.

Ein Totschlag in Mecklenburg, unmotiviert, nie aufgeklärt, ist derAuslöser für den ungewöhnlichen Weg des jungen Täters. Bastian (LukasSteltner) findet Anschluss bei einer Gruppe von Burschen inmerkwürdiger Kluft, die eine verschrobene Sprache sprechen und nachstrengen Ritualen leben.

«Das Leben der Wanderburschen ist ein absolutes Geheimnis inDeutschland. Das besitzt noch eine genuine Originalität in einerWelt, die vom Internet durchleuchtet ist», erklärt Benjamin Reding.Das visuelle Konzept (Kamera: Axel Henschel) dekliniert zwischenFarbkaskaden, trübem Dunst und harten Schwarzweiß-Kontrasten dieStimmungslandschaften durch - alles außer Kitsch, wie Dominik Redingbetont: «Das Bild vom Wandergesellen, der dem Sonnenuntergangentgegen wandert, wollten wir nicht zeigen. Denn Wanderschaft istaufreibend, und die Menschen, die das drei Jahre lang durchmachen,sind danach ausgebrannt!»

Die Spuren dieser Strapazen verändern auch das Jungen-Gesicht desBetonbauers Bastian, der sich seine Probezeit an der Seite einesSteinmetzgesellen erwandert. Festus, ein Bursche wie von einemfremden Planeten und doch geerdet, fand in Sascha Reimann (aliasFerris MC) einen wunderbar verschrobenen Protagonisten zwischenStraßenkompetenz und Unbeholfenheit. Beide Hauptdarsteller sindLeinwand-Debütanten: ein Ex-Rapper und ein Breakdancer. Für dieZwillinge gab es bei der Auswahl ihrer Darsteller nur ein Kriterium:«Glauben wir, was wir da sehen? Spüre ich da einen Menschen, der vierJahre lang auf der Straße gelebt hat?»

Das Motiv der Wanderschaft haben die Redings mit einer Büßertourgekoppelt, die als Flucht begann. «Ethik» heißt das Schlüsselwort,das sie immer wieder betonen, ohne es explizit in ihren Filmhineingeschrieben zu haben. Das würde ihrem Prinzip desgesellschaftlichen Dialoges widersprechen, den sie auf mehrerenEbenen anbieten. Wenn ihr Protagonist Bastian zum Abarbeiten seinerSchuld die Strapazen einer Wanderschaft auf sich nimmt, ist dies auchein Diskussionsbeitrag zur sozialen Therapie für jugendlicheGewalttäter ­ jenseits eines Strafvollzugs, der zum Beispiel in derJVA Siegburg scheiterte und tödliche Konsequenzen hatte.

(Für den unbekannten Hund, Deutschland2007, 107 Min., FSK ab 12, von Benjamin und Dominik Reding, mit LukasSteltner, Sascha Reimann, Zarah Mampell-Löwenthal)