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Ehrung für Günter Mühlpfordt Ehrung für Günter Mühlpfordt: Mit aufrechtem Gang

Von Carola Waterstraat 24.10.2001, 15:21

Halle/MZ. - Die Ehrung gilt einem Mann, den Freud undLeid mit der Hallenser Hochschule verbinden.1921 geboren, hat der Schüler der FranckeschenStiftungen früh beschlossen, Geschichte zustudieren. Er wählt die Universität seinerHeimatstadt und promoviert hier am 26. Juli1941- nur wenige Tage vor seinem 20. Geburtstag- zum Thema "Die deutsche Führung des böhmisch-mährischenRaumes in der Zeit Maria Theresias und JosephII".

Scheinbar problemlos setzt sich die wissenschaftlicheLaufbahn in Halle fort. Kaum 30-jährig übernimmtMühlpfordt 1951 das Institut für osteuropäischeGeschichte der Universität - zunächst kommissarisch,später mit Berufung. Es folgt die Professur.Doch schon mit seiner Antrittsvorlesung, gehaltenam 6. Mai 1953, gerät der Historiker in Konfliktmit staatlichen Ideologen. Diese zeigen sichkurz vor dem "Tag der Befreiung", einst immeram 8. Mai gefeiert, wenig begeistert von derWahl des Themas: "Ursachen der Rückständigkeitdes zaristischen Russlands".

Die Auseinandersetzungen spitzen sich zu.Mühlpfordt sieht sich in seiner wissenschaftlichenArbeit zunehmend Repressalien ausgesetzt.1958 wird er auf Weisung von Walter Ulbrichtaller Ämter enthoben. Vier Jahre später kommtes zu Entlassung und Berufsverbot. Der Historikerkann fortan nur noch als Privatgelehrter wirken.Als er 1990 als einer der ersten Wissenschaftlerrehabilitiert wird, sind seine Forschungenlängst weltweit anerkannt.

Ein unrühmliches Kapitel hallescher Hochschulgeschichte.Sicher auch deshalb die Diamantene Promotionsurkunde."Die Universität will damit ihre Verbundenheitmit ihnen und ihrem Wirken zeigen", sagt ProrektorThomas Bremer bei der Übergabe. Den Rahmenbietet ein Ehrenkolloquium, das die HistorischeKommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaftenanlässlich des 80. Geburtstags von Mühlpfordtin den vergangenen zwei Tagen ausgerichtethat.

Deren Präsident, Karlheinz Blaschke, beleuchtetein seiner Laudatio das Wirken Mühlpfordtsim Kontext der mitteldeutschen Landschaftund würdigte den Historiker als denjenigen,"der das Bild der mitteldeutschen Identität,wie es beute besteht, maßgeblich mitbestimmthat".