Neuer Cayenne kommt aus Bratislava

Neuer Cayenne kommt aus Bratislava: Porsche-Werk Leipzig verliert sein Erfolgsmodell

Leipzig - Die Endmontage wird künftig nicht mehr in der Messestadt, sondern im VW-Werk im slowakischen Bratislava erfolgen.

Von Steffen Höhne

Die dritte Generation des Geländewagens Porsche Cayenne wird in zwei Wochen auf der Frankfurter Autoschau IAA der Öffentlichkeit vorgestellt. Am Dienstagabend präsentierte Porsche-Chef Oliver Blume das neue Modell auf der Dachterrasse des Porsche-Museums in Stuttgart-Zuffenhausen. Das Erfolgsmodell wird wohl auch künftig die Kassen des Sportwagen-Herstellers kräftig füllen.

Doch zumindest die Mitarbeiter in Leipzig werden auch ein weinendes Auge haben: Mit dem Generationswechsel wechselt die Endmontage. Diese wird künftig nicht mehr in der Messestadt, sondern im VW-Werk im slowakischen Bratislava stattfinden, wo auch der Audi Q7 und der VW Touareg vom Band laufen.

Porsche Cayenne: Endmontage wechselt in die Slowakei

Der Schritt wurde bereits 2014 bekanntgegeben. Um Entwicklungs- und Produktionskosten zu sparen, kooperierten Porsche und Volkswagen. Alle drei Geländewagen werden auf einer Plattform gebaut. Bisher lieferte Bratislava die vormontierten Karosserien per Zug nach Leipzig. Da erschien es den Managern wohl folgerichtig, den neuen Cayenne komplett in der Slowakei herzustellen. Ins Gewicht dürften auch die Lohnkosten fallen. Der Durchschnittslohn eines slowakischen Industriearbeiters liegt bei 1.200 Euro brutto im Monat. Bei VW in Bratislava dürfte der Lohn höher sein, aber deutlich niedriger als hierzulande.

Für Leipzig endet damit eine Ära, schreibt die „Leipziger Volkszeitung“. Das Werk wurde 2002 extra für die Produktion des Cayenne gebaut - mit damals 300 Mitarbeitern. Heute sind es mehr als 4.000. Vom Cayenne wurden im Vorjahr 72.000 Fahrzeuge produziert. Das neue Spitzen-Modell in Leipzig ist jedoch der kleine Bruder des Cayenne, der Macan.

Porsche-Werk in Leipzig mit Produktion des Panamera ausgelastet

Die Porsche-Manager gehen davon aus, dass das sächsische Werk künftig auch so voll ausgelastet ist, da auch die Sportlimousine Panamera viele Käufer findet. Auch eine kleine Hintertür gibt es: Leipzig könnte Produktionsspitzen beim neuen Cayenne abfedern, heißt es bei Porsche-Managern.

Ganz unproblematisch ist die Verlagerung dennoch nicht, wie die jüngste Vergangenheit zeigt. Der neue Cayenne wird zunächst nur als Benziner angeboten. Über eine Diesel-Version hat das Management offenbar noch nicht entschieden. Hintergrund: Porsche musste Ende Juli 21.500 Cayenne mit Diesel-Motor zurückrufen, da vermutlich eine illegale Abgas-Abschalteinrichtung eingebaut wurde. Diese hatte Audi zugeliefert. Möglich war das nur, weil Porsche einen integralen Bestandteil der Autofertigung aus der Hand gab. (mz)