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Auto-Konzern Auto-Konzern: Krise könnte Leiharbeiter bei VW den Job kosten

Von Heiko Lossie und Marco Hadem 29.04.2013, 18:06
Absatzrückgänge in Europa beschäftigten VW-Chef Winterkorn.
Absatzrückgänge in Europa beschäftigten VW-Chef Winterkorn. dpa Lizenz

wolfsburg/wein/dpa - Europas größter Autobauer Volkswagen überdenkt im Sog der europäischen Absatzkrise seine Personalstärke. Die Standorte auf dem Heimatkontinent einzuschränken, steht nach den Worten von VW-Chef Martin Winterkorn aber nicht zur Debatte. „Wir werden aus Europa keine Kapazitäten abziehen“, sagte er in einem Fernsehinterview mit dem Österreichischen Rundfunk am Freitagabend. Die Werke bleiben erhalten.

Auch über eine Reduzierung der Kernbelegschaft wird demnach nicht nachgedacht. „An unserem Stammpersonal werden wir festhalten. Über die Leihkräfte werden wir nachdenken müssen“, sagte Winterkorn. Das Jahr 2012 war in Westeuropa, einem VW-Kernmarkt, das schlechteste Autojahr seit mehr als zwei Dekaden. Und während Europas Absatzmarkt derzeit weiter bergab rauscht, gibt VW in Asien Vollgas. Angesichts dieser Entwicklung müssten nun daheim alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um zu sparen. „Nachdem wir einen Großteil unserer Fabriken in Europa haben, müssen wir uns hier auf die Stagnation, vielleicht sogar einen Rückgang einstellen“, sagte Winterkorn.

Der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Industriekonzern hatte schon am Donnerstag bei der VW-Aktionärsversammlung in Hannover von der Notwendigkeit zu mehr Flexibilisierung gesprochen. Wie seit kurzem bekannt, müssen bei VW in den USA 500 Leiharbeiter aus der Passat-Produktion im Werk Chattanooga (Tennessee) gehen. Auch hierzulande hatten sich schon erste Krisenzeichen bemerkbar gemacht: In Emden fuhr VW zuletzt die Passat-Produktion zurück. Dort wurden der Weihnachtsurlaub und die Osterpause verlängert.

Am Mittwoch hatte der Dax-Konzern in Eckzahlen zum ersten Quartal 2013 einräumen müssen, dass Betriebsergebnis und Überschuss eingebrochen waren. Jedoch steht hinter diesen schlechten Nachrichten ein gewaltiger Basiseffekt: 2012 war bei Volkswagen das beste Jahr der Geschichte und auch aktuell steht VW vergleichsweise gut da. Ford, Opel oder Peugeot-Citroën wollen in Europa sogar einzelne Werke dichtmachen.

VW-Aufsichtsrat Weil sieht in all diesen Trends kein Anzeichen für eine nachhaltige Verschiebung der Standortbedeutung hin nach Asien. Er sei zuversichtlich, dass VW den Problemen in Europa maßvoll begegnet. „Unter dieser Voraussetzung halte ich nichts davon, den Heimatmarkt und die Heimatstandorte gegen Investitionen woanders auszuspielen. Es muss insgesamt stimmen“, betonte er. Die Wolfsburger bauen derzeit sieben ihrer weltweit zehn geplanten Werke in China.