1. MZ.de
  2. >
  3. Deutschland & Welt
  4. >
  5. Verbraucher: Verbraucher: 2300 Käufer von Schrottimmobilien fordern Schadenersatz

Verbraucher Verbraucher: 2300 Käufer von Schrottimmobilien fordern Schadenersatz

26.11.2005, 15:56

Göttingen/dpa. - Die Rechtsgrundlage fürAusgleichszahlungen biete die Entscheidung des EuropäischenGerichtshofes (EuGH) vom Oktober dieses Jahres, sagteVerbraucheranwalt Eberhard Ahr (Bremen). Danach müsse eine Bankhaften, wenn ihre Darlehen von Vermittlern in Haustürsituationen ohneWiderrufsbelehrung vermittelt wurden.

Bundesweit hätten in den neunziger Jahren die Finanzvermittler sogenannter Strukturvertriebe Kunden zum Kauf überteuerterSchrottimmobilien überredet, sagte Ahr der dpa. Nach Angaben desBundesverbandes Verbraucherzentrale sind etwa 300 000 Käuferbetroffen, denen die Wohnungen und Häuser als vermeintlicheSteuersparmodelle an der Haustür oft regelrecht aufgeschwatzt wordenseien.

Ohne Widerrufsbelehrung seien Kreditverträge gleich mitvermitteltworden, sagte Ahr. Die Banken jedoch hätten den Kunden eineWiderrufsbelehrung erteilen müssen. Der Rechtsanwalt, der mehrereHundert Geschädigte vertritt, schätzt den Gesamtschaden der Käuferauf mehrere Milliarden Euro. Viele der Betroffenen seien in den Ruingetrieben worden, weil die Wohnungen nicht zu vermieten seien und nureinen Bruchteil des angeblichen Wertes hätten.

Nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes habe sich fürdie geschädigten Kunden bisher noch nichts getan, sagte Ahr. Bei dendeutschen Gerichten werde derzeit überlegt, wie die Entscheidung desEuGH umgesetzt werden solle. Die über den Tisch gezogenen Käuferforderten aber mit Nachdruck einen Schadensausgleich durch dieGeldinstitute.

Die dubiosen Finanzvermittler hätten genauso gehandelt, wie es vomEuGH als unrechtmäßig angesehen werde, sagte Ahr. «Bei denHaustürgeschäften musste alles immer ganz schnell gehen. Angeblichdrängten Termine». Teilweise seien die Käufer sogar nachts zu Notarengebracht worden, welche die Verträge beurkundeten, berichtete derGöttinger Anwalt Rainer Fuellmich, der ebenfalls eine Vielzahl vonGschädigten vertritt.