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Report: Ludwigshafener Berufsschüler unter Schock

Von Julia Schweizer 18.02.2010, 16:56

Ludwigshafen/dpa. - Getötet wurde er von einem 23 Jahre alten Ex-Schüler, der laut einer ersten Vernehmung viel zu schlechte Noten von dem Getöteten bekommen haben will. «Sehr große Wut» soll er auf das Opfer - einen Familienvater - gehabt haben, sagt der stellvertretende Leiter der Ludwigshafener Polizei, Franz Leidecker.

Sichtlich bewegt sprachen Ermittler über die Tat, die rheinland- pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD) kämpfte um Fassung. Sie war kurz nach dem Verbrechen in die Schule gekommen und redete mit Angehörigen und Kollegen des Opfers. «Sie sehen mich fassungslos», sagt sie.

Fassungslos waren am Morgen auch die Schüler der Berufsschule. Aufgeregt und noch unter Schock liefen sie vor den evakuierten Gebäuden auf und ab, versuchten Informationen zu bekommen über das schreckliche Geschehen. Gerüchte verbreiteten sich wie Lauffeuer: Rasch hatte das Wort «Amoklauf» die Runde gemacht, mehrere Schüsse sollten angeblich gefallen und der Täter noch in einem Gebäude sein.

Erinnerungen an Amokläufe wie vor einem Jahr in Winnenden wurden wach. Wie damals am 11. März waren alle Gebäude der Schule abgeriegelt, mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten standen Wache, ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Gelände. Mit einem Großaufgebot war die Polizei zum Tatort angerückt, unter ihnen schwarz gekleidete Spezialeinsatzkräfte mit Maschinenpistolen.

Erst am Nachmittag wurden erste Einzelheiten bekannt: Der junge Mann soll gegen 10.00 Uhr in ein Werkstattgebäude gegangen und dort auf der Kellertreppe auf den verhassten Lehrer getroffen sein. Dort soll es zu einem Handgemenge gekommen und der Lehrer dabei mit einem «Kampfmesser» schwer verletzt worden sein, sagt Leidecker weiter. Der Lehrer starb wenig später kurz nach dem Eintreffen der Rettungskräfte.

Der Täter soll weiter ins Hauptgebäude gegangen sein, dort mehrere Schüsse abgegeben und schließlich im obersten Stock ein Feuer entzündet haben. Ob die Flammen Brandalarm auslösten oder ob der Täter dies selbst machte, sei derzeit noch unklar. «Wir stehen erst am Anfang der Ermittlungen», sagte der leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig.

Fest stehe laut Leidecker nur, dass die Feuerwehr Zeuge der Schüsse wurde und die Polizei verständigte. «Durch das besonnene Verhalten der Rettungskräfte wurde sicher Schlimmeres verhindert», lobt Bürgermeister Wilhelm Zeisser. Vier Polizeibeamte, die in das Gebäude stürmten, konnten den Täter stellen, der sich widerstandslos habe festnehmen lassen. Der Ex-Schüler soll ohne geregelte Arbeit und seit dem vergangenen Jahr in einer Berufsförderungsmaßnahme sein.

Auch wenn der 23-Jährige mehrere Lehrer angriff: «Wir vermeiden das Wort Amoklauf», hatten am Vormittag sowohl Polizeisprecher Michael Lindner als auch am Nachmittag alle Beteiligten betont. Sie nennen es lieber eine «akute Bedrohungslage». Weitere Verletzte gab es nicht.

«Wir haben gehofft und mit Nachdruck gewünscht, dass so etwas an eine rheinland-pfälzischen Schule nicht passiert», sagte Ahnen. «Es ist einfach entsetzlich». Die Staatsministerin und Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), pflichtete ihr bei. Sie sei der Schule «sehr verbunden», hat dort ein Projekt «Ganzheitliches Integrationscoaching» mitinitiiert, das den Schülern Ausbildungsplätze vermitteln soll.