1. MZ.de
  2. >
  3. Deutschland & Welt
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. Ungar Gyula Horn: Ungar Gyula Horn: Der Grenzöffner von 1989 ist tot

Ungar Gyula Horn Ungar Gyula Horn: Der Grenzöffner von 1989 ist tot

19.06.2013, 20:16
Das historische Foto zeigt Ungarns Außenminister Gyula Horn (r.), wie er am 27. Juni 1989 zusammen mit seinem Amtskollegen aus Österreich, Alois Mock (l.) den Stacheldraht an der ungarisch-österreichischen Grenze bei Fertorakos (Ungarn) zerschneidet.
Das historische Foto zeigt Ungarns Außenminister Gyula Horn (r.), wie er am 27. Juni 1989 zusammen mit seinem Amtskollegen aus Österreich, Alois Mock (l.) den Stacheldraht an der ungarisch-österreichischen Grenze bei Fertorakos (Ungarn) zerschneidet. dpa Lizenz

Budapest/dpa - Der frühere ungarische Ministerpräsident und Reform-Kommunist Gyula Horn ist am Mittwoch im Alter von 80 Jahren gestorben. Der Ex-Politiker erlag im Budapester Militärkrankenhaus einem langjährigen, schweren Leiden, wie die amtliche Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf das Verteidigungsministerium meldete. Horn erlangte weltweite Berühmtheit, als er am 27. Juni 1989 als Außenminister zusammen mit seinem österreichischen Amtskollegen Alois Mock symbolisch den Stacheldraht an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich durchschnitt.

Zehntausende fluchtwillige DDR-Bürger kamen in den darauffolgenden Wochen nach Ungarn, um über die nun weniger bewachte „grüne Grenze“ in den Westen gehen zu können. Am 10. September 1989 gab Horn im ungarischen Staatsfernsehen bekannt, dass die in Ungarn festsitzenden DDR-Bürger fortan auch offiziell das Land in Richtung Österreich verlassen können. Der gewaltige Ausreisestrom führte mit zum Machtverfall des DDR-Regimes und zum Fall der Berliner Mauer.

Von 1994 bis 1998 war Horn Ministerpräsident der zweiten frei gewählten Regierung Ungarns. Er stand damals an der Spitze der sozialdemokratischen Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP), die aus dem Reformflügel der Kommunistischen Partei hervorgegangen war. 2007 erlitt er einen gesundheitlichen Zusammenbruch. Seitdem lag er im Budapester Militärkrankenhaus im Koma. 1990 zeichnete ihn die Stadt Aachen mit dem Karlspreis aus.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle nahm Horns Tod „mit großer Betroffenheit“ auf. Der Politiker sei ein „großer Europäer“ gewesen, der „in einem entscheidenden Moment der europäischen Geschichte das Richtige tat und die europäischen Werte der Freiheit und Menschlichkeit gelebt hat“, erklärte Westerwelle in Berlin.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erklärte, Horn sei als Außenminister maßgeblich an der Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989 beteiligt gewesen. „Als Ministerpräsident hat er das Zusammenwachsen Europas entscheidend vorangetrieben. Deutschland verliert mit Gyula Horn einen besonderen Freund, die SPD einen engen Weggefährten.“