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Afrika Afrika: Musik und Nachrichten für den Frieden im Kongo

28.05.2004, 09:06
Jean-Rhuno Lungembo arbeitet in Kinshasa als Moderator bei Radio Okapi, dem einzigen landesweiten Sender im Kongo, der von den Vereinten Nationen finanziert wird. (Foto: dpa)
Jean-Rhuno Lungembo arbeitet in Kinshasa als Moderator bei Radio Okapi, dem einzigen landesweiten Sender im Kongo, der von den Vereinten Nationen finanziert wird. (Foto: dpa) dpa

Kinshasa/dpa. - «Wir wollen die Menschen informieren, was im Kongo passiert», sagt Programmdirektor Harald Görg, ein Schwabe, den es vorzwei Jahren nach Kinshasa verschlagen hat.

«Radi-oo Okapiii» säuselt eine Frauenstimme alle paar Minutenzwischen den Programmblöcken. Das im Kongo lebende Okapi ist nichtnur das einzige Säugetier, dass seine Ohren mit der Zunge säubernkann, es gilt auch als besonders friedfertig. Aus diesem Grund ist eszum Wappentier des Radios geworden, das von den Vereinten Nationenund der Schweizer Stiftung Hirondelle finanziert wird.

Die Redaktion ist in einem Containergebäude auf dem Gelände derUN-Mission im Kongo (MONUC) untergebracht. Etwa 150 Menschen arbeitenan dem Programm, das in fünf Sprachen und rund um die Uhr gesendetwird. Eine rote Lampe mit der Aufschrift «On Air» leuchtet über derStudiotür. Hinter einer dicken Glasscheibe sitzt der Moderator Jean-Rhuno Lungembo und verabschiedet sich fröhlich von seinen Hörern.«Ohne die Infrastruktur der MONUC wäre das gar nicht zu schaffen,»sagt Görg. «Wir nutzen Internet per Satellit und produzieren alles imMP3-Format.»

Verlässliche Informationen sind rar in dem riesigen Land, in dasganz Westeuropa hineinpasst. Viele Gegenden sind isoliert und nur aufdem Luftweg zu erreichen, da es kaum Straßen gibt. Vor allem imrohstoffreichen Osten terrorisieren zahlreiche bewaffnete Gruppen dieBevölkerung. «Wir nehmen kein Blatt vor den Mund, wir berichten auchüber Massaker, Kannibalismus und Waffenfunde», sagt Görg.

An allen Standorten der MONUC gibt es Korrespondenten, die jedenMorgen angerufen werden. Sie liefern Berichte für die Nachrichten,die morgens und abends laufen. Dazwischen gibt es Magazinsendungen,beispielsweise den «Dialog der Kongolesen», in dem es um dieFortschritte des Friedensprozesses geht. Die für Sommer 2005angestrebten Wahlen - die ersten demokratischen Wahlen im Kongoüberhaupt - sind häufig Thema. «Okapi Action» stellt kongolesischeund internationalen Organisationen vor, die alle am Wiederaufbau desLandes beteiligt sind.

Auch MONUC-Chef William Swing ist sich der Reichweite des Sendersbewusst. «Wenn Ruandas Präsident Paul Kagame die Ruander auffordert,aus dem Kongo zurückzukommen, dann strahlen wir diese Botschaftnatürlich aus,» sagt er. Die Präsenz pro-ruandischer Milizen im Ostenist nach wie vor eine Bedrohung für die Stabilität des Kongos.

Speziell für diese Kampfgruppen sendet Radio Okapi ein Programm inruandischer Sprache mit dem Titel «Kehrt heim». «Wir erzählenGeschichten von Menschen, die ihre Waffen abgegeben haben und nachHause zurückgekehrt sind», erläutert Görg. «Wir hoffen, dass sieandere auch dazu anregen.»

Wenn die Abendnachrichten gelaufen sind, ist in Kinshasa bis zumfrühen Morgen Lingala-Musik angesagt - entweder in einem derzahlreichen Clubs, oder auf «Radi-oo Okapiii», UKW 103,5.