«Near Field Communication» «Near Field Communication»: Drahtlose Übertragungstechnik ist keine Zukunftsmusik
Hamburg/dpa. - Vor dem Einsteigen in den Bus die Fahrkarte ladenund mit dem Handy noch schnell über ein Plakat streichen, das miteinem Chip ausgestattet ist - und schon hat man sich einen neuenSong für die Fahrt heruntergeladen. Diese Vorstellung könnte in naherZukunft näher rücken, denn die von Philips und Sony entwickeltedrahtlose Übertragungstechnik der «Near Field Communication» (NFC)hat sich in ersten Tests bewährt. Noch in diesem Monat sollenErgebnisse über die Praxistauglichkeit der Technologie vorliegen, diein Handys, PCs oder Zahlungsmittel wie EC-Karten integriert werdenkann.
Von Mai bis Oktober 2005 hatte der Rhein-Main-Verkehrsverbund inHanau erstmals weltweit die Technologie im Feldversuch getestet undnach Pressesprecher Peter Vollmer gute Erfahrung gemacht: Insgesamt200 Kunden nutzten ihr Handy sechs Monate lang als Fahrkarte undbeurteilten das «Handyticketing» positiv. Somit seien «Neuerungen zuerwarten, an denen wir jetzt arbeiten und die wir dann derÖffentlichkeit vorstellen werden», sagt Vollmer.
NFC basiert unter anderem auf der Radiofrequenz-Technik RFID(Radio Frequency Identification), die derzeit in der Warenlogistiksehr populär ist. Anders als RFID hat die Nahfeldkommunikationallerdings eine Reichweite von lediglich wenigen Zentimetern. NachAngaben von Alexander Tarzi, Manager der Konzernkommunikation derPhilips Austria GmbH, werden die genauen Ergebnisse aus demFeldversuch in Hanau voraussichtlich noch im April öffentlich bekanntgegeben. Parallel dazu sollen Pläne über eine erste kommerzielleNutzung der Technologie präsentiert werden.
Seit Oktober vergangenen Jahres findet die Nahfeldkommunikationauch im nordfranzösischen Ort Caen Anwendung. Dort nutzen 100Probanden einen Prototyp des Mobiltelefons Samsung D500 in den großenKaufhäusern der Stadt als Kreditkarte. In den örtlichen Parkhäusernöffnen die mit NFC-Technologie ausgestatteten Handys die Schranken.Und an der Bushaltestelle lassen sich die aktuellen Fahrpläne aufsHandy laden. Das ganze geschieht aus zehn bis zwanzig ZentimeterEntfernung. Da NFC auf dieser kurzen Distanz mit einfachen undstromsparenden Sendern arbeiten kann, könnte sich die Technologieschnell zum Standard in Mobilgeräten durchsetzen.
Beim Feldversuch in Frankreich wird nach Angaben eines Sprechersder Telekommunikationsgesellschaft France Télécom bereits eineregelmäßige Nutzung des Handys als Zahlungsmittel verzeichnet. Durchbargeld- und kontaktlose Zahlweise seien Einkäufe schneller getätigt,und Warteschlangen können in den Lafayette- und Monoprix-Filialen inCaen umgangen werden. Über die Stadt verteilt stehen an touristischinteressanten Orten Terminals, die, sobald ein NFC-fähiges Handylokalisiert wird, eine SMS mit Informationen und Erläuterungen zu denjeweiligen Sehenswürdigkeiten versenden. Derzeit nur von BewohnernCaens getestet, sollen damit nach erfolgreicher Testphase dieTouristen der Stadt auf Sehenswertes aufmerksam gemacht werden.
Auch «aktive Poster» sollen noch während des Feldversuchs inNordfrankreich zum Einsatz kommen: Plakate in der Stadt sollen dafürmit NFC-Chips ausgestattet werden, über die mobile Inhalte wieKlingeltöne und Bilder auf das Handy geladen werden können. NachAngaben der Stadtverwaltung seien diese Poster allerdings bisher nochnicht installiert.
Ein dritter Feldversuch startete inzwischen in Atlanta (USA): Inder Philips-Arena testen Besitzer von Saison-Tickets der Eishockeyund Basketball-Teams «Atlanta Thrashers» und der «Hawks» NFC alsEintrittskarte. Mit Nokia-Handys ausgerüstet, in die Philips NFC-Chips integriert wurden, können sie in der Arena kontaktlos bezahlenoder «Informationspakete» auf ihr Handy ziehen. Einziger Nachteil:der Transfer funktioniert nur unmittelbar vor dem Stadion. Sieht manein interessantes Angebot von weitem, muss man sich dennoch durch dieMenge kämpfen.
Nach den Probeläufen in Europa und Nordamerika wird ein weitererKontinent zum Übungsplatz für die kontaktlose Kommunikation überkurze Strecken: Der nächste Feldversuch findet in Asien statt, teiltePhilips-Manager Tarzi mit. Einzelheiten über den geplantenModellversuch wollte Philips noch nicht bekannt geben.